Lektion 10: Orientierung
„Lass dir aus dem Wasser helfen oder du wirst ertrinken“,
sprach der freundliche Affe und setzte den Fisch sicher auf einen Baum.
(Japanisches Sprichwort)
Die Orientierungs-Phase ist wichtig, um gezielt zu erfragen, was genau das Anliegen und das Ziel des Klienten ist. Diese Informationssammlung ist der wichtigste Schritt vor der eigentlichen Intervention, der Veränderung. Der Coach taucht dabei in die Lebenswelt und die Landkarte des Klienten ein. Hier kommen viele unterschiedliche Fragetechniken zum Einsatz. Als Struktur für die Informationssammlung bietet sich z.B. das Z.E.N.T.R.A.L.-Format[1] an. Die Fragen werden in der umgekehrten Reihenfolge der Buchstaben gestellt.

Leiden: Was ist Dein Problem/Symptom, worunter leidest Du? Was bewegt Dich?
Auswirkungen: Wie wirkt sich das, was Du schilderst, auf Deine Lebens- und Arbeitssituation aus? Welche Auswirkungen befürchtest Du? Was (Wie) denkst Du darüber, dass Du dieses Problem hast (Meta-Gefühl über die Situation, z.B. dem Klienten ist das Problem peinlich)? Wie geht es Dir damit, wenn Du so über Dich denkst?
Ressourcen-Einsatz: Was hast Du schon versucht, um dieses Problem zu lösen? Welche Auswirkungen hatte das? Was soll jetzt passieren? Was erwartest Du jetzt von diesem Coaching? Welchen Stellenwert hat das?
Tiefe: Was glaubst Du, ist die Ursache des Problems? Wie lange gibt es das schon? Was denkst Du, wie es entstanden ist, woher es kommt? Was glaubst Du, wie lange Du für die Veränderung brauchst?
Nutzen: Was denkst Du, warum das Problem trotz Deiner Bemühungen noch besteht? Gibt es etwas, was vielleicht wichtig oder sinnvoll daran ist, oder war? Wie wäre es, wenn Dich dieses Thema nicht mehr beschäftigen würde? Womit würdest Du Dich dann beschäftigen müssen?
Effekt der Zielerreichung: Was willst Du erreichen? Für Dich, für andere, für die Arbeit? Welche Effekte soll das Coaching haben? Ist das realistisch? Was soll die Lösung des Problems bewirken?
Ziel: Gibt es ein konkretes Ziel? Welches Ziel willst Du als erstes im Coaching bearbeiten? Was wäre Dir zunächst am wichtigsten? Wo ist die meiste Energie? Was bringt am meisten (was könnte weitere Veränderungen automatisch nach sich ziehen)?
Diese Struktur ist ein Anhaltspunkt, um sich ein ausführliches Bild machen zu können. Manche Fragen haben schon den Effekt einer Intervention, etwa wenn dem Klienten bewusst wird, welchen Nutzen ein bestimmtes Problem hat. Zusätzlich werden in der Orientierungsphase Werte, Glaubenssätze, Auswirkungen auf den systemischen Kontext erfragt, soweit das relevant für das Thema ist.
Die Dauer der Orientierungsphase hängt auch von der Komplexität des Themas ab. Sie kann von 30 Minuten bis zu mehreren Sitzungen dauern. Das mag vielen extrem lang erscheinen, doch danach wissen Coach und Coachee, was zu tun ist. Es geht in die Veränderungsphase.
[1] nach Martina Schmidt-Tanger: Gekonnt coachen, Junfermann Verlag Paderborn, 2009
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