Lektion 12: Transaktionsanalyse

Die Transaktionsanalyse (abgekürzt TA) ist ein Kommunikationsmodell und beleuchtet die Muster im zwischen­menschlichen Verhalten. Sie deckt die Transaktionen zwischen Gesprächspartnern auf, was besonders in solchen Fällen hilfreich ist, in denen die Kommunikation gestört ist. Meist geschieht das, wenn die Gesprächspartner in unreflektierten Verhaltensweisen gefangen und immer wieder in ähnliche Kommunikationsmuster verstrickt sind. Die Erkenntnisse aus der Transaktionsanalyse können daher im Coaching sehr unterstützend sein.

Die TA wurde Mitte des 20. Jahrhunderts vom kanadischen Psychiater Eric Berne entwickelt. Er geht in seinem Strukturmodell der menschlichen Persönlichkeit davon aus, dass wir drei unterschiedliche „Ich-Zustände“ einnehmen können. Berne unterscheidet Eltern-Ich (EL), Erwachsenen-Ich (ER) und Kindheits-Ich (K). Jeder Ich-Zustand ist ein in sich geschlossenes Muster von Fühlen und Erleben, das mit einem bestimmten Verhaltensmuster auftritt. Menschen können diese zu unterschiedlichen Zeiten, in unterschiedlichen Kontexten aktivieren.

Die drei Ich-Zustände

Eltern-Ich: Ist gekennzeichnet durch übertrieben kritische, moralisierende oder über­fürsorgliche Sprachmuster. Enthält die gesammelten Ermahnungen und Regeln, die wir als Kind aufgenommen haben.
Erwachsenen-Ich: Reifes Ich, agiert aus dem Hier und Jetzt, bezieht sich angemessen auf die jeweiligen Situation, konzentriert sich auf die eigentlichen Gesprächsinhalte.
Kindheits-Ich kann in drei Varianten auftreten: übertrieben angepasst/verschüchtert, rebellisch/aggressiv oder natürlich (verspielt/spontan). Verhaltensweisen aus der frühen Kindheit werden aktiviert.

Welchen Ich-Zustand jemand einnimmt, hängt auch davon ab, mit wem er gerade kommuniziert. Jede Äußerung, die ein Mensch einem anderen Menschen gegenüber macht, spricht einen bestimmten Teil seines Ichs an. In der Kommunikation treffen die jeweiligen Ich-Zustände der beiden Gesprächspartner aufeinander. Jede Transaktion hat einen Stimulus und eine Reaktion (siehe Pfeile im Diagramm unten). Wir unterscheiden folgende Transaktions-Arten:

Parallele bzw. komplementäre Transaktion

 Parallele  bzw. komplementäre Transaktionen liegen vor, wenn die Pfeile des Diagramms parallel verlaufen. Der Kommunikationspartner reagiert aus dem angesprochenen Zustand heraus.
Im Beispiel links ist es das Erwachsenen-Ich, das mit dem Erwachsenen-Ich des Gegenübers kommuniziert. Der Gesprächspartner antwortet ebenfalls aus dem Erwachsenen-Ich heraus.
Ebenso sind komplementäre Transaktionen zwischen EL-EL, K-K, EL-K etc. möglich.

Nichtkomplementäre oder Überkreuz-Transaktion

 Von einer Überkreuz-Transaktion spricht man, wenn jemand seinen Gesprächspartner in einem bestimmten Ich-Zustand anspricht, dieser jedoch aus einem anderen als dem angesprochenen Ich-Zustand heraus reagiert.
Im Beispiel links erfolgt die Transaktion von Erwachsenen-Ich  zu Erwachsenen-Ich, die Reaktion erfolgt jedoch aus dem Eltern-Ich und ist ans Kindheits-Ich des Gegenübers adressiert.
Wenn Stimulus und Reaktion sich im Eltern-Ich/Erwachsenen-Ich/Kind-Ich-Schema überkreuzen, wird die Kommunikation unterbrochen.

Verdeckte Transaktion

 In einer verdeckten Transaktion wird etwas anders gesagt, als es gemeint ist. Es wird auf einer scheinbar sachlichen Ebene zwischen ER und ER gesprochen, aber auf einer anderen Ebene eine verdeckte Botschaft geschickt. Diese Transaktionen sind am schwersten zu durchschauen.
Sie sind häufig ein Ventil für verletzte Gefühle oder Wertvorstellungen, über die man nicht offen kommunizieren will.
Die weitere Transaktion hängt davon ab, auf welcher Ebene der Gesprächspartner reagiert. Je mehr verdeckte Transaktionen stattfinden, desto mehr nimmt die Gefahr von Missverständnissen zu.

Weitere Aspekte der TA, verkürzt dargestellt:

Lebensskript

Die einzelnen Erfahrungen, die wir als Kinder gemacht haben, bilden mit der Zeit ein bestimmtes Verhaltensmuster, ein sogenanntes Lebensskript. Es ist eine Art Drehbuch unseres Lebens. Es macht den unbewussten Lebensplan sichtbar, den wir uns in unserer Kindheit geschaffen haben und der auch unsere Beziehungsmuster bestimmt. Als Erwachsene handeln wir nach diesem Skript. Wenn wir uns dieses Drehbuch bewusst machen, können wir es positiv verändern.

Psychologische Spiele

Wir spielen in Gesprächsabläufen und Verhalten anderen gegenüber sogenannte „Spiele der Erwachsenen“, in denen wir uns von unbewussten Motiven leiten lassen. Meist handelt es sich um Abfolgen verdeckter Transaktionen. Wenn wir mit einer Person häufig in Konflikt geraten, kann es sein, dass wir hier ein Spiel spielen. Diese Spiele haben Spielregeln, d.h. sie folgen einem bestimmten Spielverlauf und haben ein vorhersagbares Ende. Ein bekanntes Spiel ist z.B. Verfolger-Retter-Opfer.

Dies ist nur ein Ausschnitt aus der TA. Es schärft im Coaching den Blick dafür, wo sich unsere Klienten (oder auch wir selbst) in Spiele verstrickt haben und wie wir wieder adäquat handeln können.

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