Lektion 13: Klientenzentrierte Gesprächsführung
„Wenn ich vermeide, sie zu beeinflussen,
werden die Menschen sie selbst.“ (Laotse)
Die klientenzentrierte Gesprächsführung wurde in den 40er Jahren des 20. Jahrhunderts von Carl Rogers entwickelt, einem US-amerikanischen Psychologen/Psychotherapeuten. Sie basiert auf dem Humanistischen Menschenbild und zählt zu den Coaching-Ansätzen, die ursprünglich aus der Psychotherapie stammen. Rogers war einer der ersten Therapeuten, der mit seinem klientenzentrierten Ansatz eine Kehrtwende in der Psychotherapie einleitete. Sein darin umgesetztes Menschenbild und die Kernaussagen seiner Methode liefern wichtige Grundlagen für Coaching und Beratung. Nach seiner Überzeugung kennen Menschen selbst die Lösung ihrer Probleme. Durch eine unterstützende Beziehung zum Klienten kann der Therapeut (bzw. der Coach) dazu beitragen, dass dieser die Lösung für sich findet.
Voraussetzungen sind
- ein nicht-direktives Vorgehen des Coaches, d.h. nicht der Coach dominiert das Gespräch.
- Der Mensch und nicht sein Problem stehen im Mittelpunkt der Gespräche. Der Coachee übernimmt eine aktive Rolle im Gespräch, der Coach unterstützt dabei durch seine Grundhaltung.
Grundhaltungen der Klientenzentrierten Gesprächsführung
Wertschätzung / Anteilnahme / Akzeptanz
Der Coach bringt dem Klienten bedingungslose Wertschätzung und Akzeptanz entgegen, er zeigt liebevolle Anteilnahme an seinen Themen. Er tritt dem Klienten mit einer grundlegend positiven Stimmung gegenüber, zeigt ihm uneingeschränkte Achtung. Damit soll ihm vermittelt werden, dass er eine wertvolle Person ist.
Kongruenz / Echtheit
Der Umgang miteinander soll aufrichtig und echt sein. Es ist eine Begegnung von Mensch zu Mensch, ein aufrichtig interessiertes Zuhören. Dabei sollte auch die Körpersprache, Mimik und Gestik des Coaches zu dem passen, was er sagt, mit anderen Worten: er sollte kongruent sein. Er sollte sich nicht verstellen, dies würde die Beziehung stören und den Klienten hindern, offen zu sein.
Empathie / einfühlendes Verstehen
Gleichzeitig zeigt der Coach einfühlsam Verständnis für die Situation des Klienten, er versucht, seine Gefühlswelt zu erspüren. Ebenso achtet er auf die Körpersprache des Coachee und teilt ihm mit, was er wahrnimmt („sie wirken jetzt sehr traurig“). Ein hohes Maß an Empathie des Coaches hilft auch dem Klienten, seine Gefühle zu benennen.
Beim Einhalten dieser Prinzipien entsteht eine Atmosphäre, die dem Coachee ermöglicht, offen über seine Themen zu reden, für die er selbst der Experte ist. Manchmal ist dies jedoch nicht einfach für den Coach, vor allem, wenn er gleichzeitig unbedingte Akzeptanz zeigen möchte UND kongruent bei einem Thema reagieren soll, das ihn selbst stark berührt.
Vorgehensweise: Aktives Zuhören
Die Hauptaufgabe des Coaches in diesem personenzentrierten Setting ist das aktive Zuhören. Folgendes ist dabei hilfreich:
Aufmerksamkeit signalisieren
- mit kurzen, verbalen Reaktionen: „hmm, ah ja, verstehe“.
- durch entsprechende Intonation Neugier und Interesse signalisieren.
- nonverbal durch offene und zugewandte Körperhaltung, durch entsprechende Mimik, Blickkontakt und Kopfnicken (im NLP: Rapport halten)
Verständnis-Check
- durch Rückfragen und paraphrasieren der Worte des Klienten „Meinen Sie damit, dass…?“
- durch Zusammenfassen von längeren Gesprächsabschnitten.
- durch Nachfragen, wenn etwas nicht verstanden wurde.
Der Coach sollte keine Vermutungen oder Diagnosen äußern und die Sichtweise des Klienten möglichst nachvollziehen. Pausen im Gespräch sind in Ordnung und geben Gelegenheit, das Gesagte wirken zu lassen.
Einsatz im Coaching:
Für viele scheint dieses eher zurückhaltende Vorgehen ungewohnt zu sein. Dieser Modus bietet sich vor allem am Anfang der Coaching-Sitzungen an: den Klienten erzählen lassen, aktiv zuhören, nicht vorschnell interpretieren oder Interventionen vorschlagen. Auf diese Weise erhält der Coach viele Informationen, mit denen später gearbeitet werden kann.