Lektion 3: Die Rolle des Coaches
In den ersten beiden Lektionen haben wir uns mit dem Menschenbild und der ethischen Haltung im Coaching befasst. Diesmal steht die Rolle des Coaches im Fokus, die natürlich auch mit der jeweiligen Haltung und Einstellung zusammenhängen kann. Ein Beispiel dazu: Jemand, der Coach werden möchte, um „anderen Menschen zu helfen“, sieht seine Klienten möglicherweise als hilfsbedürftig an und kann in eine Helfer-Rolle geraten. Er läuft Gefahr, seinem Klienten Dinge abzunehmen, die dieser selbst lösen könnte. Für einen Coach ist es daher wichtig, seine Rolle(n) zu reflektieren und sich bewusst zu sein, wann er sie einnehmen kann.
Robert Dilts[1] unterscheidet sechs verschiedene Rollen, die im Coachingprozess sinnvoll sind, abhängig vom Thema und den Bedürfnissen des Klienten. Dabei orientiert er sich an den von ihm entwickelten „logischen Ebenen“.

Die Umgebungs-Ebene: der COACH als Guide/Caretaker
In diesem Bereich bietet der Coach Unterstützung an, mit Rücksicht auf die Umgebung, den Kontext, in dem die Veränderung stattfindet. Er übernimmt die Rolle des Helfers, des Unterstützers, um den Coachee vom Ist- zum Soll-Zustand zu führen. Voraussetzung ist, dass der Guide bereits selbst dort war (den Soll-Zustand kennt) und den besten Weg dorthin weiß (oder zumindest einen Weg dorthin). Vergleichbar ist das mit einem Bergführer: dieser kennt den Weg und geht voraus, kennt vielleicht sogar eine Abkürzung, der Klient folgt.
Die Verhaltens-Ebene: der COACH als Coach / Performance-Coach
Auf dieser Ebene finden die Interventionen statt, die an den Verhaltensleistungen des Coachees ansetzen – das traditionelle Coaching. Der Coachee erwirbt oder verbessert neue Verhaltensweisen. Ziel des Coaching-Prozesses ist es, bestimmte Ressourcen und Fähigkeiten bewusst zu machen und sie zur bewussten Kompetenz weiterzuentwickeln.
Die Fähigkeiten-Ebene: der COACH als Teacher
Auf der Ebene der Fähigkeiten und Kompetenzen geht es darum, den Coachee dabei zu unterstützen, dass er sich weitere kognitive Fähigkeiten und Strategien aneignet oder solche entwickelt. Ziel ist es, dass er nach der Intervention neue Kenntnisse erworben hat, die ihm auf seinen Weg helfen.
Die Ebene der Werte und Glaubenssätze: der COACH als Mentor
Auf der vierten Ebene übernimmt der Coach die Funktion des Mentoren, der dem Mentee den Zugang zu seinen unbewussten Kompetenzen eröffnet. Ziel ist es, dessen eigene Widersprüche und Ambivalenzen aufzulösen, ihn zum Ablegen seiner einschränkenden Glaubenssätze zu bewegen und seine Werte und Einstellungen positiv zu beeinflussen.
Die Ebene der Identität: Der COACH als Sponsor
Auf der Ebene der Identität wird das „Selbst“ des Coachee einbezogen. Als Sponsor übernimmt der Coach die Aufgabe, seinen Klienten bei der Entdeckung und Förderung seiner Potenziale und Gaben zu unterstützen. Der Schwerpunkt liegt hier auf der Entwicklung der Identität des Coachee und auf dessen Wachstum, und ihn in die Lage zu versetzen, dass er die Möglichkeiten wahrzunehmen lernt, die ihm offenstehen. Der Begriff „Sponsor“ ist im Deutschen im Sinne von „Geldgeber“ völlig anders besetzt, so dass sich hier evtl. der Begriff „Persönlichkeitscoach“ anbietet.
Die Ebene der Spiritualität: Der COACH als Awakener
Neben den bisherigen Ebenen erstreckt sich die Intervention auch auf die Ebene der Mission und der Vision. Der Awakener ist ein Vermittler, der den Klienten unter Berücksichtigung seiner Integrität und Kongruenz in Kontakt mit seiner Mission bringt.
Ausschlaggebend dafür, welche Rolle der Coach einnimmt, sind Thema, Ziel und Anforderungen des Klienten oder des Coachings. Dementsprechend sollte das Repertoire eines professionellen Coachs auch möglichst alle Rollen umfassen. Wenn er in die Situation kommt, dass während eines Coachings ein Wechsel der Interventionsebene auftritt und er eine andere Rolle einnehmen muss, so sollte der Coach diese Überleitung dem Coachee auch deutlich machen, um so die Transparenz zu gewährleisten.
[1] Robert Dilts: From Coach to Awakener, Kindle Edition