Lektion 3: Provokative Muster
Die Brille des Klienten aufsetzen
Die Brille des Klienten aufsetzen bedeutet die Welt aus seiner Sicht sehen. Der Coach übernimmt sein Weltbild und bestätigt es. Er bestärkt den Klienten darin, dass es richtig ist so zu denken und stellt klar, dass es die einzig richtige Art ist, die Welt so zu betrachten.
Ein Beispiel: Der Klient sagt: „Ich habe immer Probleme mit Frauen…“, daraufhin nickt der Coach und antwortet „Welcher Mann hat das nicht! Frauen machen aber auch ständig Schwierigkeiten…“. Der Klient reagiert entsprechend mit „Hmm … äh … ja genau!“ Aus der Bestätigung der Aussage des Coaches kann man vermuten, dass es aus der Sicht des Klienten an den Frauen liegt, dass er Probleme mit ihnen hat. Es hat also erstmal nichts mit ihm zu tun. Der Coach kann daraus erschließen, was für ein Frauenbild der Klient im Kopf hat. Mit diesem Bild wird dann weiter provoziert. Der Coach entgegnet: „Ja, die sind nicht einfach zu durchschauen. Heute dies, morgen das…“. Dadurch macht er das Bild noch plastischer und überzeichnet es.
Der Klient nickt nur zustimmend und fühlt sich immernoch in seiner Sichtweise bestätigt. „Und ständig sind sie beleidigt, das ist so stressig. Das kann sogar lebensgefährlich werden, da bleibt nur die Flucht…“ macht der Coach weiter. Er spielt das Spiel weiter, jedoch malt er auch die offenbar naheliegende Kosequenz aus – Flucht vor den Frauen. Natürlich mit dem nötigen Augenzwinkern, denn dadurch erhält der Klient die Möglichkeit gegen sein eigenes Weltbild zu protestieren.
Während der Klient noch darüber nachdenkt schiebt der Coach passende Ratschläge nach. „Retten Sie Ihr Leben! Rennen Sie so schnell Sie können davon!“ Dadurch lässt er neue Bilder im Kopf des Klienten entstehen und macht bildhaft was möglicherweise die Konsequenz seiner Sichtweise sein könnte. Irgendwann fängt der Klient an zu protestieren „Nein, ich will ja eigentlich eine Beziehung zu einer Frau haben…“. Damit kommt das eigentliche Thema durch, das ihn beschäftigt. Nun kann man als Coach weiter fragen wie die Frau sein sollte, welche Art von Beziehung er sich wünscht und so weiter. Dieses Beispiel kann man auch sehr gut auf das nächste Muster anwenden:
Aussprechen, was offensichtlich ist
Der Coach überlegt, was er sehen, hören, spüren oder riechen kann. Beispiele sind starkes Übergewicht, Körpergeruch, Nervosität, Schweißhände, Kleidung, übermäßige Attraktivität und Erfolgsattribute wie teure Uhren und so weiter. All das was der Coach wahrnimmt fällt vermutlich auch anderen Menschen auf. Nur würde jeder andere Mensch bei vermeintlichen Schwächen taktvoll darüber hinweg sehen. Ein provokativ arbeitender Coach benennt jedoch genau das was gerade zum Thema passt, denn vielleicht ist genau das der wunde Punkt.
Beispiel: Der Klient hat eine Brille mit sehr dicken, starken Gläsern. Der Coach sagt: „Mit dieser starken Brille schauen Sie eine Frau vermutlich sehr genau an und es erschreckt vielleicht die ein oder andere…“. Wenn der Klient teuren Schmuck trägt entgegnet der Coach „Auf jeden Fall sieht die Frau gleich, dass Sie reich sind, Sie wissen ja, Frauen suchen eigentlich immer nach einem Versorgertyp“. Hier kann man jedes Vorurteil, das einem dazu einfällt, sagen. Vielleicht ist der Klient tatsächlich gutaussehend und der Coach fragt sich warum er Schwierigkeiten mit Frauen hat. Daraufhin provoziert er weiter: „Oh je, Frauen mögen keine Männer, die attraktiver sind als sie selbst. Sie sind zu schön. Neben Ihnen wirkt sie ja wie ein hässliches Entlein.“
Als Coach sollte man das, was man wahrnimmt, im Klartext formulieren, ohne diplomatische Vorsicht oder Distanz. Die Wirkung des provokativen Coachings auf Zuhörer oder Leser ist meist eine andere als auf den Klienten. Nachdem der Klient die Wirkung auf sich selbst beschreibt verschwindet die Frage „Wie kann man so etwas nur sagen?“ bei den Zuhörern. Denn bei Klienten kommt es meistens sehr gut an. Sie antworten mit folgenden Phrasen: „Ich werde ernst genommen.“ „Endlich redet mal jemand Tacheles.“ „Endlich spricht mal jemand aus, was ich selbst denke oder befürchte.“ Ich habe einen Sparringspartner, der auf Augenhöhe mit mir spricht und nicht vor mir zittert.“ „Sie hat meine heimlichen Ängste konkret angesprochen und so überzeichnet, dass ich nur noch darüber herzlich lachen konnte.“
- Fragen zu: "Lektion 3: Provokative Muster" (3 Fragen)