Lektion 4: Begeisterung zeigen für das Symptom
Wenn der Coach Begeisterung für das Symptom zeigt, dann heißt das, dass er das Problem oder Anliegen welches der Klient mitbringt nicht als solches wahrnimmt – viel eher als etwas Großartiges. Dadurch kommt das Weltbild des Klienten schon einmal ein bisschen durcheinander. Dadurch wird dem Klienten die erste Gelegenheit für eine Umdeutung gegeben und es regt dazu an, die positiven Auswirkungen des Verhaltens oder Symptoms zu erkennen.
Ein Beispiel: Die Klientin beschwert sich: „Mein Mann und die Kinder lassen daheim alles herumliegen.“ Der Coach antwortet zustimmend: „Das ist ja toll – da haben Sie immer was zu tun und Ihnen wird nicht so schnell langweilig.“ Er lenkt den Fokus weg von dem Gedanken, dass das Verhalten von Mann und Kindern etwas übles sein könnte und betont stattdessen, dass es großartig ist. Der Fokus liegt jetzt auf den Auswirkungen für die Klientin. Sie ist vermutlich diejenige, die hinterher räumt. Die Klientin bestätigt das: „Ja schon, aber ich will ja eigentlich nicht ständig aufräumen…“. Der Coach entgegnet: „Damit geben Sie Ihrer Familie Sicherheit! Seit 10 Jahren räumen Sie auf… das sind stabile Verhältnisse. Respekt!“ Hierbei wird das Muster weitergeführt, denn er begeistert sich. Die Klientin lacht und sagt: „Ja – mag sein. Doch sie sollten mal langsam Verantwortung übernehmen.“ „Ja, langsam … das hat ja noch weitere 10 Jahre Zeit. Es gibt nichts Schöneres als Geborgenheit im Elternhaus.“ antwortet der Coach. Er steigt also auf das was sie gesagt hat ein. Er betont das Wort langsam, nur nichts überstürzen. Dadurch wird erneut eine neue positive Bedeutung vom Coach gefunden. Natürlich wieder mit einem entsprechenden Augenzwinkern und Humor.
Er legt noch eine Schippe obendrauf: „Ihre Kinder wissen immer, da ist jemand, der meinen Dreck wegmacht. Das ist ein Fels im Sturm des Lebens. Fürs ganze Leben…“ Die Klientin schüttelt lachend den Kopf „um Himmels Willen, das will ich nicht das ganze Leben tun“. Der Coach hat hier den Fokus von anfänglich 10 Jahren auf ihr gesamtes restliches Leben gelenkt. Er möchte damit erreichen, dass sie anfängt ihr eigenes Verhalten zu hinterfragen. „Die ziehen dann auch nicht aus. Sowas finden sie bei keinem Partner. Und Sie werden im Alter niemals einsam sein“ stichelt der Coach weiter. Für die Klientin zeigt sich so langsam ein Horrorszenario vor ihrem inneren Auge auf. Sie stellt sich vor, wie sie nur noch am herumräumen ist und sie gar nicht mehr weiß wo ihr der Kopf steht. Sie reagiert lachend „Hören Sie schon auf – ich hab es ja kapiert… das ist ja furchtbar, die Vorstellung…“ Der Coach antwortet augenzwinkernd: „Sie wollen lieber eine einsame alte Frau werden?“ „Nein, ich will endlich mal wieder eigene Projekte in Angriff nehmen…“
Durch die Beigesterung für das Symptom werden die möglichen Vorteile für die Klientin aufgezeigt. So stark übertrieben bis sie immer stärker widerspricht und sagt um was es ihr wirklich geht. Sie formuliert ihren Wunsch, sie möchte Zeit für ihre eigenen Projekte haben. Der Mann wurde in dem Fall nicht besonders in den Fokus gehoben da dieser auf den Kindern lag. Tipps: Einfach das aussprechen, was in den Sinn kommt. In diesem Fall lag der Fokus auf den Kindern. Solange übertreiben und überzeichnen, bis Widerstand der Klientin geweckt ist. Wenn die Klientin noch zustimmend nickt, dann ist der Coach nicht übertrieben genug. Es muss so absurd werden, dass sie merkt dass da irgendetwas nicht stimmen kann. Der Coach kann nichts falsch machen solange er immer an den Guten Draht und die Hauptzutaten Humor und Liebe denkt.