Enneagramm als zusätzliches Tool
Du hast die Karte des Enneagramms und die Energiezentren schon studiert. Doch wie kannst Du sie gezielt einsetzen? Dein Reiseführer erklärt Dir, dass es nicht nur um das Wissen über die Typen geht, sondern auch darum, wie Du dieses Wissen im Coaching-Prozess anwenden kannst. Wie erkennst Du als Coach, wo ein Coachee möglicherweise „hängen bleibt“? Wie kannst Du den Coachee unterstützen, sein eigenes Muster zu reflektieren, und wie hilfst Du ihm, zu verstehen, warum er auf bestimmte Weise reagiert?
1. Die Klienten, die Du anziehst:
Frag Dich zu Beginn: „Welche Klienten möchte ich in meine Coaching-Praxis einladen? Welche Muster könnte ich bei ihnen erkennen?“
Vielleicht hast Du in der Vergangenheit schon erkannt, dass bestimmte Coachees von Dir immer wieder mit ähnlichen Themen zu kämpfen haben. Ein Coachee aus Muster 3 könnte sich zum Beispiel schwer tun, seine eigenen Bedürfnisse wahrzunehmen und zu kommunizieren. Ein Coachee aus Muster 6 könnte sich häufig in Ängsten und Zweifeln verlieren.
Übung 1: Reflexion der Klienten
- Denke an einige Deiner aktuellen Coachees. Welche Enneagramm-Muster könnten bei ihnen eine Rolle spielen?
- Gibt es Themen, die sich immer wiederholen?
- Kannst Du ausmachen, ob das Muster Deines Coachees sich eher im Bauch-, Herz- oder Kopfzentrum befindet? (instinktives Handeln, Fokus auf Beziehungen, Fokus auf dem Denken)
- Tipp: Nutze hierfür gerne die Inhalte aus dem Abschnitt "Anwendung im Coaching", die Du in diesem Kurs zu jedem Muster findest.
- Frage zur Reflexion:
- Gibt es ein Muster, das Du bei mehreren Coachees wiedererkennst?
- Wie könntest Du mit diesem Wissen den Coaching-Prozess noch gezielter gestalten?
- Mit welchem Muster fällt Dir der Coaching Prozess am leichtesten?
Der Coach als Spiegel für den Coachee:
Dein Reiseführer zeigt Dir, dass Du als Coach oft der Spiegel für Deinen Coachee bist. Du wirst innerhalb des Coaching Prozesses regelmäßig mit „Triggern“ konfrontiert? – Das sind die Momente, in denen Du merkst, dass Du in Reaktion gehst, vielleicht ungeduldig wirst oder in eine eigene innere Bewertung fällst. Doch warum reagierst Du so? „Was löst Dein Coachee bei Dir aus?“ ist eine wertvolle Frage, die Du Dir immer wieder stellen solltest. Denn auch Du kannst das Enneagramm nutzen, um Deine eigenen Reaktionen zu verstehen und zu reflektieren.
Übung 2: Eigene Trigger erkennen
- Denke an eine Situation in einem Coaching-Gespräch, in der Du Dich besonders herausgefordert gefühlt hast.
- Welche Emotionen oder Gedanken sind in Dir hochgekommen?
- Wie bist Du im Coaching damit umgegangen?
- Gibt es einen Umgang, der für Deinen Coachee sinnvoller gewesen wäre?
- Tipp: Erinnere Dich an das Enneagramm-Muster des Coachees. Gibt es eine Verbindung zwischen Deinem Trigger und dem Muster des Coachees?
- Frage zur Reflexion: Wie könntest Du in Zukunft auf Deine eigenen Trigger achtsam reagieren, um den Coaching-Prozess nicht zu stören?
Die richtigen Fragen stellen – die Schlüssel zu tieferer Selbstreflexion:
Der Schlüssel zum Verstehen der Muster Deiner Coachees liegt in den richtigen Fragen. Dein Reiseführer erinnert Dich daran, dass es nicht nur darum geht, was Dein Coachee tut, sondern auch warum er es tut. Das Enneagramm gibt Dir dabei wertvolle Hinweise, die Du in Deinen Fragen einfließen lassen kannst. Fragen wie:
- „Was passiert in Dir, wenn Du Dich gestresst fühlst?“
- „Wann fühlst Du Dich am meisten in Deiner Kraft?“
- „Welche Situationen zeigen bei Dir immer wieder die gleichen Reaktionen?“
Durch diese Fragen kannst Du als Coach gezielt dazu beitragen, dass sich Dein Coachee selbst besser versteht. Du hilfst ihm, auf seine Muster zu schauen, zu erkennen, warum er auf bestimmte Situationen auf bestimmte Weise reagiert, und welche Blockaden ihn vielleicht daran hindern, in eine konstruktivere Reaktion zu gehen.
Übung 3: Fragen formulieren
- Nimm Dir einen Coachee vor, mit dem Du an einem wiederkehrenden Thema arbeitest, und überlege Dir konkrete Fragen, die Du ihm stellen könntest, um sein Enneagramm-Muster besser zu verstehen.
- Tipp: Achte darauf, dass Deine Fragen neugierig und nicht wertend sind. Vermeide es, dem Coachee direkt zu sagen, was er oder sie tun sollte – lass ihn selbst auf die Antworten kommen.
- Frage zur Reflexion:
- Welche Fragen haben Dir in der Vergangenheit geholfen, tiefer in das Verständnis für Deinen Coachee einzutauchen?
- Wie kannst Du diese Fragen weiterentwickeln?
Das Enneagramm als Landkarte für den Coaching-Prozess:
Das Enneagramm ist also viel mehr als nur ein Konzept. Es ist wie eine Landkarte, die Dir hilft, den Weg für Deinen Coachee zu finden. Während Du mit Deinen Coachees durch ihren Prozess gehst, hilft Dir das Enneagramm, die verschiedenen „Landschaften“ der inneren Welt Deiner Coachees zu betreten und zu verstehen. Diese Landkarte lässt Dich nicht nur die äußeren Reaktionen Deiner Coachees erkennen, sondern auch die tiefer liegenden emotionalen und mentalen Muster.
Dein Reiseführer gibt Dir ein wichtiges Werkzeug mit auf den Weg: „Beachte, welche Energiezentren bei Deinem Coachee besonders aktiviert sind. Ist es das Bauchzentrum, das Herz oder der Kopf? Wie kannst Du diese Energiezentren im Coaching-Prozess unterstützen?“
Übung 4: Energiezentren beobachten
- In Deiner nächsten Coaching-Sitzung achte darauf, welches Energiezentrum bei Deinem Coachee besonders aktiviert zu sein scheint.
- Ist er emotional aufgewühlt (Herz)?
- Denkt er viel nach und analysiert (Kopf)?
- Oder reagiert er spontan und mit Kraft (Bauch)?
- Tipp: Achte auch auf die Körpersprache des Coachees – sie kann Dir Hinweise darauf geben, welches Energiezentrum gerade stark aktiv ist. Achte auch hier auf die Inhalte, die Du im Abschnitt "Anwendung im Coaching" zu jedem Muster erhalten hast.
- Frage zur Reflexion:
- Wie kannst Du das Coaching anpassen, um das aktive Energiezentrum Deines Coachees zu unterstützen und zu fördern?
Zusammenfassung:
In diesem Abschnitt hast Du gelernt, das Enneagramm als zusätzliches Tool in Deinen Coaching-Prozess zu integrieren. Du bist jetzt in der Lage, die Muster Deiner Coachees besser zu erkennen und ihre Dynamiken gezielt zu hinterfragen. Du kannst das Enneagramm nutzen, um die Blockaden Deiner Coachees zu verstehen, ihre Stärken zu fördern und sie auf ihrem Entwicklungsweg zu begleiten. Indem Du Deine eigenen Reaktionen als Coach im Kontext der Enneagramm-Muster reflektierst, gewinnst Du noch tiefere Einsichten in den Coaching-Prozess. Und so, wie Du Deine eigene Landkarte immer besser verstehst, wirst Du auch die Deiner Coachees immer klarer erkennen.