Suizidalität

Einführung Suizidalität

Epidemiologie (Österreich)

  • 10.000 bis 40.000 Suizidversuche pro Jahr in Österreich
  • Circa 1300 Suizidtote pro Jahr in Österreich (Vergleich - durch Mord ca. 50 Tote pro Jahr)
  • Frauen begehen mehr Suizidversuche, Männer „gelingt“ der Suizid häufiger

Suizidmethoden (Österreich)

  • Erhängen (46%)
  • Erschießen (17%)
  • Vergiftung / Medikamenteneinnahme (10%)
  • Sturz aus großer Höhe (10%)
  • Vor ein Fahrzeug werfen (7%)


Risikofaktoren Suizidalität

  •  Alkohol-, Medikamenten-, Drogen-, Spiel- Internetsucht
  • Psychiatrische Erkrankung: Depressionen
  • Suizidale Ankündigungen oder Suizidversuche in der Vergangenheit
  • Trennungen, Unfälle
  • Umstellungsphasen (Pubertät, Pensionsalter, Krankheit…): Bei 15- bis 24-Jährigen ist Suizid die zweithäufigste Todesursache
  • Isolation
  • Geschlecht: männlich (~75% Männer)
  • Arbeitslosigkeit bzw. materielle Probleme
  • Alter: 60+ (~45%)


Suizidalität Mythen und Fehler

  • Wer darüber redet, macht es nicht
  • Ratschläge, Argumentieren, Bagatellisieren
  • Mangelnde Exploration


Vier Phasen der Suizidalität

Suizidphasen (nach Ringel & Pöldiger)

  1. Prä-suizidale Phase
    1. Äußerungen zum Thema / Interesse an Suiziden
  2. Erwägung (Suizid wird als Problemlösung ernsthaft in Betracht gezogen)
    1. Autoaggression
    2. Eingeengte Wahrnehmung (Denken, Fühlen, Handeln), Einsamkeit, Aussichtlosigkeit
    3. „Alles ist sinnlos.“ / „Ich bin schuld.“ / „Die Anderen sind ohne mich besser dran.“
  3. Abwägung und Ambivalenz (Soll ich oder soll ich nicht?)
    1. Psychischer Zustand instabil
    2. Eher unruhig / Entschluss
  4. Entschluss (Vorbereitungen werden getroffen)
    1. Ruhig (Angehörige haben oft das Gefühl „es ist vorbei“) oder wie abwesend


Suizidalität abklären

Formulierungsvorschlag Absprache Fähigkeit

„Ich fasse nochmal zusammen, was für Sie für Selbstmord spricht und was dagegen. [Zusammenfassung]. Wenn Sie das noch einmal betrachten, wie sieht es dann jetzt für Sie ganz konkret aus?“

„Können Sie mir zusichern, dass Sie am XX.XX zu unserem nächsten Termin erscheinen? Oder können Sie mir das nicht mehr garantieren?“

„Können Sie mir zusichern, dass Sie bei Herrn X am XX.XX in Therapie erscheinen werden? Oder können Sie mir das nicht mehr garantieren?“

Ressourcenbereiche, die erfragt werden können

  1. Familie & Soziale Kontakte
  2. Beruf & Berufung
  3. Hobbys & Interesse
  4. Glaube & Spiritualität
  5. Anerkennung & Erfolg


Nicht akut suizidal - wie gehst Du weiter vor

Wenn Du den Klienten nicht als akut suizidal einstufst und Dir entsprechende Notizen gemacht hast, stellt sich die Frage, wie gehst Du weiter vor? Grundsätzlich gilt, das Thema weiter im Augen behalten, das heißt auch bei der nächsten Sitzung nach dem aktuellen Zustand und Status zu fragen. Außerdem ist es ratsam, die Ressourcen aus dem soziales Netzwerk zu aktivieren. Zum Beispiel, indem man danach fragt, wer in solch einer schlimmen Zeit eine Hilfe sein kann. Auch Tiere sind dafür geeignet. Aber auch alle anderen Ressourcen stärkenden Interventionen sind dafür geeignet.


Praxisbeispiele Suizidalität

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