1. SOLL-IST-Diskrepanz

Die SOLL-IST-Diskrepanz ist der Ausgangspunkt jeder Problemkonstruktion. Sie beschreibt den Unterschied zwischen dem aktuellen IST-Zustand und dem erwünschten SOLL-Zustand. Dieser Unterschied wird erst dann als Problem erlebt, wenn der Klient diesen als belastend empfindet. Entscheidend ist hier nicht allein die Existenz einer Diskrepanz – viele Menschen haben Wünsche und Ziele –, sondern vor allem die emotionale Aufladung, die damit einhergeht.

Warum beeinflusst das die Problemkonstruktion?
Wenn der IST-Zustand als unzureichend und der SOLL-Zustand als idealisiert wahrgenommen wird, entsteht ein Spannungsfeld. Je intensiver der Klient diese Differenz erlebt, desto stärker wird das Problem in den Vordergrund gerückt. Der Fokus auf das, was fehlt, führt oft zu einer Tunnelperspektive, die alternative Ressourcen und positive Aspekte des Ist-Zustands ausblendet.

Praxisbeispiel und Intervention:
Stell dir einen Klienten vor, der sich in seinem beruflichen Alltag unsicher fühlt (IST) und sich wünscht, souverän und kompetent aufzutreten (SOLL). Wird diese Diskrepanz ständig im Fokus gehalten, führt das zu einem anhaltenden Gefühl der Unzulänglichkeit. Der Coach kann hier intervenieren, indem er den Klienten anleitet, den SOLL-Zustand flexibler zu definieren oder positive Aspekte im Ist-Zustand sichtbar zu machen – etwa durch das Herausarbeiten von Momenten, in denen er bereits souverän gehandelt hat.

Reflexionsfrage:
Welche Aspekte des gegenwärtigen Zustands könnten als Ressourcen genutzt werden, um die starre Diskrepanz zwischen Ist und Soll zu lockern?

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