17. Verhalten & Kommunikation
Das Verhalten und die Art der Kommunikation des Klienten sind niemals nur Symptome eines Problems – sie sind aktive Mitgestalter der Problemkonstruktion. Häufig zeigt sich in problematischen Situationen ein spezifisches, oft reflexhaftes Verhaltens- und Kommunikationsmuster: Rückzug, Vermeidung, übermäßige Rechtfertigung, oder auch aggressives Verteidigen. Diese Muster stabilisieren das Problem, weil sie genau die Reaktionen im Umfeld auslösen, die das Problem weiter verstärken.
Beispiel: Ein Klient, der Angst hat, nicht ernst genommen zu werden, reagiert mit übermäßigem Erklären – was bei den Gesprächspartnern Ungeduld auslöst, was wiederum die Angst verstärkt.
Warum ist das wichtig?
Hypnosystemisches Coaching betrachtet Verhalten und Kommunikation nicht als „Folgen“ eines Problems, sondern als integralen Bestandteil seiner Aufrechterhaltung. Indem der Klient erkennt, wie er durch sein eigenes Verhalten und seine Kommunikation zur Stabilisierung beiträgt, entsteht die Möglichkeit, diese Muster gezielt zu verändern. Oft genügt eine minimale Verhaltensänderung, um die gesamte systemische Dynamik zu verändern.
Gleichzeitig zeigt sich in der Art, wie der Klient über sein Problem spricht, viel über seine inneren Konstruktionen. Ein Klient, der immer wieder dieselben Problemgeschichten erzählt, verankert sich selbst tiefer in der Problemtrance. Sprache ist dabei nicht nur Beschreibung, sondern eine Form aktiver Selbsthypnose.
Praxisbeispiel und Intervention:
Eine Klientin beschreibt in jeder Sitzung ausführlich, warum sie ihrem Vorgesetzten gegenüber keine Grenzen setzen kann. Der Coach macht sie darauf aufmerksam, dass diese wiederholte Erzählung nicht nur Information liefert, sondern auch eine Selbsthypnotisierung erzeugt: Jedes Mal, wenn die Geschichte erzählt wird, wird die innere Problemwelt stabilisiert. Gemeinsam wird erarbeitet, wie die Klientin beginnen kann, alternative Geschichten zu erzählen – etwa von Situationen, in denen sie ihre Position klar vertreten hat. Außerdem wird gezielt geübt, in problematischen Situationen bewusst neue Verhaltensimpulse zu setzen – beispielsweise durch eine kleine körperliche Haltungskorrektur oder eine veränderte Sprechgeschwindigkeit.
Reflexionsfrage:
Wie sprichst du über dein Problem – und welche Wirkung hat diese Art der Beschreibung auf deine Wahrnehmung? Welche neuen Geschichten könntest du erzählen?