6. Problem-Benennung
Die Benennung des Problems – also die Worte und Begriffe, die der Klient wählt – prägen maßgeblich, wie das Problem erlebt wird. Die Sprache fungiert hier als Filter, der das Problem entweder verfestigen oder in ein neues Licht rücken kann. Häufig werden negative, stigmatisierende Begriffe gewählt, die das Gefühl von Unveränderlichkeit und Schwere verstärken.
Warum ist das wichtig?
Die Worte, die ein Klient benutzt, wirken wie Etiketten. Sie verankern das Problem in einem festen Rahmen und können dazu führen, dass der Klient sich selbst in dieser Rolle sieht. Negative Bezeichnungen (z. B. „Versagen“ oder „Blockade“) können das Selbstbild stark negativ färben und den Blick für mögliche Ressourcen versperren. Eine bewusste Umbenennung kann dagegen den emotionalen Druck verringern und den Raum für alternative Sichtweisen öffnen.
Praxisbeispiel und Intervention:
Ein Klient bezeichnet seinen Zustand als „Burnout“, was automatisch starke Assoziationen zu völliger Erschöpfung und Ausweglosigkeit weckt. Der Coach führt ein Gespräch darüber, welche anderen Begriffe diese Situation beschreiben könnten. Beispielsweise wird gemeinsam erarbeitet, ob „chronische Erschöpfung“ oder „Phasen intensiver Belastung mit Potenzial zur Neuorientierung“ eine neutralere oder ressourcenorientiertere Beschreibung darstellt. Die Umbenennung schafft oft einen ersten Schritt, um die starre Wahrnehmung aufzubrechen.
Reflexionsfrage:
Welche Begriffe benutzt du, um dein Problem zu beschreiben? Gibt es alternative Formulierungen, die dir erlauben, das Problem als veränderbar und nicht als endgültigen Zustand zu sehen?