Humor im Coaching
Humor als Katalysator
Humor ist das zentrale Werkzeug im provokativen Coaching. Er lockert Anspannung, entwaffnet Abwehrmechanismen und erlaubt es, Abstand zu den eigenen Problemen zu gewinnen. Wer über sich selbst lachen kann, hat schon begonnen, seine Muster zu verändern.
Doch Humor muss sensibel eingesetzt werden: Er soll verbinden, nicht verletzen. Es geht nicht darum, „lustig zu sein“, sondern darum, Humor als Spiegel und Türöffner zu nutzen.
Lachen im Coaching-Raum
Christian beschreibt dramatisch, wie er „gefangen“ in seinem Job ist. Der Coach schnappt das Bild auf, rutscht theatralisch vom Stuhl und windet sich am Boden:
„Oh Gott, Hilfe! Ich bin in einem goldenen Käfig gefangen! Bitte, bitte, werft mir bloß keinen Schlüssel rein – sonst müsste ich ja rausgehen!“
Christian prustet los. Er erkennt in diesem absurden Bild seine eigene Situation – und plötzlich erscheint sie weniger bedrohlich. Lachen schafft die Distanz, die ihm Klarheit ermöglicht.
Humor ist ein wesentlicher Bestandteil des Provokativen Coachings.
Er hat folgende Funktionen:
• Humor entspannt die Situation und baut Vertrauen auf. Er zeigt, dass Du als Coach nicht alles so ernst nimmst und dass Du Deinem Klienten wohlgesonnen bist. Er schafft eine positive Atmosphäre, in der sich Dein Klient wohlfühlen und öffnen kann.
• Humor regt zum Nachdenken an und fördert die Kreativität. Er ermöglicht Dir, Deinem Klienten ungewöhnliche und überraschende Impulse zu geben, die ihn aus seiner gewohnten Denkweise herausbringen. Er hilft ihm, neue Perspektiven und Lösungen zu entdecken.
• Humor aktiviert die Emotionen und stärkt die Motivation. Er spricht Dein Klienten auf einer emotionalen Ebene an und löst positive Gefühle wie Freude, Lachen oder Schmunzeln aus. Er macht Dein Klienten neugierig und bereit, sich auf die Herausforderung einzulassen.
Um Humor im Coaching erfolgreich einzusetzen, musst Du einige Punkte beachten:
• Du solltest Deinen eigenen Humorstil finden und authentisch bleiben. Versuche nicht, jemand anderes zu kopieren oder Dich zu verstellen. Finde heraus, was Dir Spaß macht und was zu Dir passt.
• Du solltest Deinen Humor dosieren und anpassen. Übertreibe nicht mit dem Humor oder benutze ihn als Flucht. Achte darauf, dass Dein Humor zum Thema, zum Klienten und zur Situation passt. Sei sensibel für die Reaktionen Deines Klienten und korrigiere Dich gegebenenfalls.
• Du solltest Deinen Humor wertschätzend und respektvoll gestalten. Vermeide Humor, der verletzend, beleidigend oder diskriminierend ist. Achte darauf, dass Dein Humor immer auf der Seite Deines Klienten ist und ihm hilft, sich selbst besser zu verstehen.
Humor ist etwas, das Du nicht nur im Coaching, sondern auch im Alltag üben kannst. Je mehr Du Dich selbst als humorvoller Mensch erlebst, desto leichter wird es Dir fallen, Humor auch in Deinen Sitzungen einzubringen.
Partner-Übung 1
Um Deinen Humor im Coaching zu trainieren, kannst Du folgende Partner-Übungen durchführen:
• Finde einen Partner, mit dem Du diese Übung machen möchtest. Es sollte jemand sein, dem Du vertraust und der ebenfalls an Provokativem Coaching interessiert ist.
• Erzähle Deinem Partner eine lustige oder peinliche Geschichte aus Deinem Leben. Es kann etwas sein, das Dir kürzlich oder vor langer Zeit passiert ist.
• Dein Partner nimmt die Rolle des provokativen Coachs ein und versucht, Deine Geschichte noch lustiger oder peinlicher zu machen. Er kann z.B. Deine Geschichte übertreiben, verdrehen oder ergänzen. Er kann auch Fragen stellen oder Kommentare abgeben, die Dich zum Lachen bringen sollen.
• Deine Aufgabe ist es, auf die humorvollen Interventionen Deines Partners zu reagieren. Versuche, Dich nicht zu schämen oder zu rechtfertigen, sondern nimm die Interventionen als Anlass, um über Deine Geschichte zu lachen. Frage Dich: Was ist das Komische an meiner Geschichte? Was kann ich daraus lernen? Wie kann ich meine Geschichte positiv nutzen?
• Nach ca. 10 Minuten wechselt Ihr die Rollen und wiederholt die Übung mit einer anderen Geschichte.
• Am Ende reflektiert Ihr gemeinsam über Eure Erfahrungen. Was hat Euch gefallen? Was hat Euch gestört? Was habt Ihr gelernt? Wie habt Ihr Euch gefühlt?
Partner-Übung 2
Finde wieder einen Partner, mit dem Du diese Übung machen möchtest. Es sollte jemand sein, dem Du vertraust und der ebenfalls an Provokativem Coaching interessiert ist.
• Erzähle Deinem Partner ein Problem oder eine Herausforderung, die Du gerade hast. Es kann etwas aus Deinem beruflichen oder privaten Bereich sein.
• Dein Partner nimmt die Rolle des provokativen Coachs ein und versucht, Dir eine humorvolle Lösung für Dein Problem vorzuschlagen. Er kann z.B. eine absurde, unrealistische oder paradoxe Lösung anbieten. Er kann auch eine Metapher, ein Sprichwort oder ein Zitat verwenden, um Dir eine humorvolle Lösung zu präsentieren.
• Deine Aufgabe ist es, auf die humorvolle Lösung Deines Partners zu reagieren. Versuche, Dich nicht zu ärgern oder zu ignorieren, sondern nimm die Lösung als Anregung, um über Dein Problem nachzudenken. Frage Dich: Was will mir mein Partner damit sagen? Was ist das Kreative an seiner Lösung? Wie kann ich seine Lösung für mein Problem nutzen?
• Nach ca. 10 Minuten wechselt Ihr die Rollen und wiederholt die Übung mit einem anderen Problem.
• Am Ende reflektiert Ihr gemeinsam über Eure Erfahrungen. Was hat Euch gefallen? Was hat Euch gestört? Was habt Ihr gelernt? Wie habt Ihr Euch gefühlt?