Inhalte einer strukturierten Auftragserklärung:
Ziele & Erwartungen des Coachees
Die Erfassung der Ziele und Erwartungen des Coachees bildet den inhaltlichen Kern der Auftragsklärung. Ziele sollten so konkret wie möglich formuliert werden, um im Verlauf des Coachings überprüfbar und bearbeitbar zu sein. Die Unterscheidung zwischen vagen Wünschen („Ich will zufriedener sein“) und operationalisierbaren Zielen („Ich möchte lernen, in Teammeetings klarer Position zu beziehen“) ist dabei wesentlich.
Gleichzeitig ist es wichtig, die dahinterliegenden Erwartungen zu erfassen und in Bezug auf den Coachingprozess, die Rolle des Coaches oder die gewünschten Wirkungen zusetzen.
Ein professionelles Vorgehen umfasst:
- Nachfragen zur Zielklärung: „Woran würden Sie erkennen, dass unser Coaching erfolgreich war?“
- Differenzierung zwischen kurz-, mittel- und langfristigen Anliegen
- Prüfung auf Realisierbarkeit und Coachingtauglichkeit
Reflexionsimpuls:
Welche Methoden oder Fragestellungen nutzt Du bisher zur Zielklärung in Erstgesprächen?
Rollenklärung zwischen Coach & Coachee
Die Rollenklärung stellt sicher, dass beide Seiten eine realistische Vorstellung über ihre jeweiligen Aufgaben und Verantwortlichkeiten im Coachingprozess haben.
Typische Aspekte der Rollenklärung:
- Der Coach agiert als Prozessbegleiter, nicht als Berater oder Problemlöser.
- Der Coachee trägt die Verantwortung für seine Entscheidungen und Umsetzungsschritte.
- Rollenklärung umfasst auch den Umgang mit Erwartungen an „Lösungen“, Ratschläge oder direkte Einflussnahme durch den Coach.
Die explizite Auseinandersetzung mit der Rolle dient nicht nur der Klarheit, sondern schützt auch vor Übertragungsphänomenen, Rollenkonflikten oder der Gefahr verdeckter Einflussnahme.
Reflexionsimpuls:
Wo siehst Du in der Praxis typische Missverständnisse in der Rollenverteilung zwischen Coach und Coachee?
Rahmenbedingungen: Dauer, Kosten, Vertraulichkeit
Fachlicher Input:
Ein vollständiger Auftrag beinhaltet auch die Klärung organisatorischer und formaler Rahmenbedingungen. Diese sind relevant für die rechtliche und wirtschaftliche Absicherung sowie für die Verlässlichkeit des Prozesses.
Typische Inhalte:
- Dauer: Anzahl und Frequenz der Sitzungen, mögliche Zeitrahmen pro Sitzung
- Kosten: Honorarregelung, Zahlungsmodalitäten, Stornobedingungen
- Vertraulichkeit: Erklärung zur Schweigepflicht, Umgang mit Aufzeichnungen oder Daten, besondere Regelungen bei Auftraggebern aus dem Unternehmenskontext
Gerade im Coaching im organisationalen Kontext ist die genaue Definition von Informationsflüssen gegenüber Dritten (z. B. Personalabteilung, Führungskraft) essenziell.
Reflexionsimpuls:
Welche Aspekte dieser Rahmenbedingungen klärst Du konsequent und welche werden manchmal vernachlässigt?
Grenzen des Coachings & ethische Aspekte
Coaching ist ein professionelles, zielorientiertes Beratungsformat ersetzt aber keine Therapie, keine juristische oder fachliche Beratung und keine Weisung in Führungsfragen. Die Klärung der Grenzen ist nicht nur eine fachliche Notwendigkeit, sondern auch ein ethisches Erfordernis.
Wesentliche Punkte:
- Abgrenzung zur Therapie: Bei psychischen Erkrankungen oder tiefgreifender emotionaler Belastung ist eine Weitervermittlung an geeignete Fachstellen angezeigt.
- Ethische Leitlinien: Coaching basiert auf Freiwilligkeit, Augenhöhe, Vertraulichkeit und der Selbstverantwortung des Coachees.
- Professionelle Selbstverpflichtung: Coaches sollten sich an berufsständische Ethikrichtlinien halten (z. B. ICF, DBVC, DCV).
Eine klare Kommunikation über Grenzen dient sowohl dem Schutz des Coachees als auch der Qualitätssicherung der Arbeit.
Reflexionsimpuls:
Wie gehst Du damit um, wenn ein Anliegen oder Verhalten eines Coachees erkennbar außerhalb des Coachingrahmens liegt?
Kernaussage
Die fundierte Auftragsklärung im Coaching umfasst die präzise Erfassung der Ziele und Erwartungen des Coachees, die klare Rollenverteilung zwischen Coach und Coachee, die Vereinbarung transparenter Rahmenbedingungen sowie die bewusste Abgrenzung der Coachingpraxis zu anderen Beratungs- oder Therapieformen und bildet damit die Basis für einen professionellen, verantwortungsvollen und wirksamen Coachingprozess.