Beruf, Berufung und Karriere – Überschneidungen und individuelle Bedeutung

Für einige Menschen können Beruf, Berufung und Karriere ineinanderfließen. So kann jemand beispielsweise seine Berufung zum Beruf gemacht haben und im Laufe der Jahre eine erfolgreiche Karriere aufgebaut haben. Für andere bleibt der Beruf ein Mittel zum Lebensunterhalt, während die Berufung in einem Hobby oder ehrenamtlichen Engagement zum Ausdruck kommt. Ebenso kann eine Karriere auf dem beruflichen Aufstieg basieren, ohne dass dabei eine tiefere Berufung empfunden wird.
Die Bedeutung dieser Begriffe hängt stark von der Persönlichkeit und den Lebenszielen ab. Für manche ist es erfüllend, im Beruf eine stabile und verlässliche Basis für das Leben zu haben. Andere suchen Ihre Berufung und erleben Ihre Arbeit als Ausdruck Ihrer Überzeugungen und Talente. Wieder andere sehen Ihre Karriere als Weg zur Verwirklichung von Erfolg und Einfluss.
Für Coaches und Klienten im Berufs- und Karrierecoaching ist es daher wichtig, diese Konzepte zu reflektieren und herauszufinden, welche der drei Aspekte für die individuelle berufliche Zufriedenheit und das persönliche Wohlbefinden entscheidend sind.

In dieser Lektion lernst du:

  • Den Unterschied zwischen Beruf, Berufung und Karriere und warum diese Unterscheidung hilfreich sein kann
  • Wie Du Deinem Klienten zu Klarheit in diesem Thema verhelfen kannst

Themen dieser Lektion

Beruf, Berufung und Karriere

Beruf – Die Tätigkeit, die das Leben sichert


Ein Beruf ist eine Tätigkeit, die regelmäßig ausgeführt wird und für die eine Person qualifiziert ist. In erster Linie ist ein Beruf meist ein Mittel, um den Lebensunterhalt zu verdienen und die Existenz zu sichern. Es geht hier um das praktische und wirtschaftliche Element der Arbeit. Typischerweise erfordert ein Beruf bestimmte Qualifikationen und Fähigkeiten, die in der Ausbildung oder im Studium erworben wurden. Manche Berufe sind auch streng reguliert und mit einem formalen Berufsbild verbunden, wie es zum Beispiel bei Ärzten, Lehrern oder Juristen der Fall ist. Der Beruf wird oft als „Job“ bezeichnet, besonders dann, wenn es vor allem darum geht, Einkommen zu erzielen.
In dieser Definition ist der Beruf meist eine Tätigkeit, die sich auf das Erfüllen konkreter Aufgaben konzentriert. Es gibt in der Regel klare Strukturen, Arbeitszeiten und Verantwortung, die einem Beruf zugeordnet sind. Manche Menschen sind mit Ihrem Beruf zufrieden, weil er Ihnen Sicherheit, Routine und ein festes Einkommen bietet, andere wiederum suchen darüber hinaus eine tiefere Erfüllung in Ihrer Arbeit. Berufliche Stabilität wird häufig mit Sicherheit und Struktur verbunden, die laut der Theorie der Arbeitsmotivation (Deci & Ryan, 1993) wichtige Grundbedürfnisse erfüllen können. Gleichzeitig zeigen Studien, dass beruflicher Wandel und Karriereentwicklung oft durch externe Anreize wie Weiterbildungsmöglichkeiten und Netzwerke gefördert werden.

Berufung – Arbeit aus Leidenschaft und Überzeugung

Berufung ist ein Begriff, der auf einer emotionalen und spirituellen Ebene liegt. Eine Berufung ist mehr als nur eine Arbeit, es ist das Gefühl, dass man für eine bestimmte Tätigkeit oder einen Zweck „berufen“ ist. Die Berufung gibt Menschen das Gefühl, etwas Sinnvolles zu tun, das über den reinen Broterwerb hinausgeht und oft in Verbindung mit persönlichen Werten, Talenten oder Überzeugungen steht.
Menschen, die Ihre Berufung gefunden haben, sehen Ihre Tätigkeit als Ausdruck Ihrer selbst und erleben dabei oft ein tiefes Gefühl der Zufriedenheit und Erfüllung. Das berühmte Zitat des Philosophen Konfuzius beschreibt dies gut: „Wähle einen Beruf, den Du liebst, und Du brauchst keinen Tag in Deinem Leben mehr zu arbeiten.“ Eine Berufung bedeutet oft, dass jemand bereit ist, auch über den Rahmen des Üblichen hinauszugehen und sich vollständig mit seinem Tun zu identifizieren. Eine Berufung kann sich in vielen Bereichen zeigen, sei es im sozialen Sektor, in kreativen Berufen, im Bildungswesen oder auch im technischen Bereich.
Die Berufung ist dabei nicht immer finanziell lohnend oder gesichert, aber Sie gibt den Menschen eine tiefe Befriedigung und einen Sinn in Ihrem Leben. Berufung kann auch bedeuten, eine Aufgabe zu finden, die den eigenen Talenten und Stärken entspricht, und damit einen positiven Beitrag zur Gesellschaft zu leisten.

Karriere – Der Aufstieg im Beruf

Eine Karriere beschreibt den beruflichen Weg, den eine Person einschlägt, um in Ihrem Fachgebiet oder in Ihrer Branche aufzusteigen. Dabei geht es um langfristige Entwicklung und Fortschritt, oft verbunden mit dem Streben nach höheren Positionen, mehr Verantwortung, Ansehen oder finanziellem Erfolg. Eine Karriere ist daher oft zielgerichteter als ein Beruf und erfordert eine strategische Herangehensweise.
Der Karriereweg kann in unterschiedlichen Bereichen stattfinden, sei es innerhalb eines Unternehmens oder in verschiedenen Organisationen. Karriereplanung spielt eine wichtige Rolle und umfasst Aspekte wie Weiterbildung, Networking und das Erwerben neuer Fähigkeiten. Eine erfolgreiche Karriere erfordert oft Engagement, Flexibilität und die Fähigkeit, sich auf neue Herausforderungen einzulassen.
Für manche Menschen bedeutet Karriere vor allem das Erreichen von beruflichen Zielen und sozialem Ansehen, für andere sind Sicherheit und kontinuierliche Entwicklung wichtig. In der heutigen Arbeitswelt kann Karriere auch bedeuten, sich in verschiedenen Berufen und Branchen zu entwickeln oder sich auf Spezialisierungen und individuelle Expertise zu konzentrieren. Der Begriff Karriere steht also für den aktiven und langfristigen Prozess der beruflichen Weiterentwicklung.

Die Theorie der Arbeitsmotivation nach Deci & Ryan (1993)

Die Arbeitsmotivationstheorie von Deci und Ryan (1993) ist ein Eckpfeiler der Selbstbestimmungstheorie (Self-Determination Theory, SDT). Sie liefert Coaches wertvolle Einsichten, um Klienten zu unterstützen, nachhaltige Motivation aufzubauen und langfristig berufliche Zufriedenheit zu finden. Die Theorie zeigt, wie grundlegende psychologische Bedürfnisse und verschiedene Motivationsarten die berufliche Entwicklung fördern können – perfekt, um Deinen Klienten auf dem Weg zu einer erfüllten Karriere zu begleiten.


Motivation verstehen: Intrinsisch und extrinsisch

Als Karriere-Coach ist es wichtig, zwischen verschiedenen Motivationsarten zu unterscheiden, da diese das Verhalten und die Zielerreichung Deiner Klienten direkt beeinflussen. Deci und Ryan unterscheiden:

  1. Intrinsische Motivation
    Diese entsteht aus Freude oder Interesse an der Aufgabe selbst. Sie ist die nachhaltigste Form der Motivation, da sie von innen heraus kommt.
    Beispiel für die Praxis: Ein Klient möchte Projektmanagement erlernen, weil ihn die Strukturierung komplexer Aufgaben fasziniert. Deine Aufgabe als Coach ist es, diese intrinsische Motivation zu fördern, etwa indem Du ihm Raum gibst, selbst herauszufinden, wie er diese Begeisterung in seiner Karriere einsetzen kann.
  2. Extrinsische Motivation
    Sie wird durch äußere Faktoren wie Belohnungen oder Verpflichtungen angetrieben. Hier ist es wichtig, die richtige Balance zu finden, um die Motivation langfristig zu stärken:
    • Externe Regulation:
      Klienten arbeiten nur für Gehalt oder um Sanktionen zu vermeiden.
      Coaching-Ansatz: Unterstütze Deinen Klienten dabei, den Nutzen dieser Aufgaben zu erkennen und auf übergeordnete Ziele auszurichten.
    • Introjizierte Regulation:
      Dein Klient fühlt sich verpflichtet, z. B. aus Angst vor Kritik.
      Coaching-Ansatz: Arbeite an der Selbstwahrnehmung und stärke das Selbstwertgefühl, damit Dein Klient Aufgaben aus eigenem Antrieb ausführt.
    • Identifizierte Regulation:
      Klienten erkennen, dass eine Aufgabe wichtig ist, auch wenn sie nicht unmittelbar Freude bereitet.
      Coaching-Ansatz: Fördere Klarheit über die persönlichen Ziele Deines Klienten und zeige, wie bestimmte Schritte zur Erreichung dieser Ziele beitragen.
    • Integrierte Regulation:
      Die Aufgaben passen zu den Werten des Klienten, sind aber extrinsisch motiviert.
      Coaching-Ansatz: Hilf, eine Verbindung zwischen den persönlichen Werten Deines Klienten und beruflichen Anforderungen herzustellen.

Die drei psychologischen Bedürfnisse: Der Schlüssel zu Motivation

Eine der wichtigsten Einsichten der SDT ist, dass die Erfüllung von drei grundlegenden psychologischen Bedürfnissen die Motivation Ihrer Klienten enorm stärkt:

  1. Autonomie
    Menschen wollen selbstbestimmt handeln und Entscheidungen treffen.
    Coaching-Tipp: Ermutige Deinen Klienten, selbst Verantwortung für ihre Karriereziele zu übernehmen, etwa durch die Wahl eigener Weiterbildungsmaßnahmen oder flexibler Arbeitsformen.
  2. Kompetenz
    Das Gefühl, wirksam zu sein und etwas zu erreichen, ist entscheidend für das Selbstvertrauen.
    Coaching-Tipp: Entwickelt gemeinsam Strategien, wie Dein Klient seine Fähigkeiten gezielt einsetzen kann, z. B. durch konkrete Erfolgserlebnisse oder Feedbacksysteme.
  3. Soziale Eingebundenheit
    Beziehungen und das Gefühl, Teil von etwas Größerem zu sein, spielen eine große Rolle.
    Coaching-Tipp: Baue ein Netzwerk oder Peer-Groups für Deinen Klienten auf, um ihn mit Gleichgesinnten zu verbinden.

Warum diese Ansätze so wirksam sind

Intrinsisch motivierte Menschen sind nicht nur kreativer und produktiver, sondern fühlen sich auch langfristig wohler in ihrer Karriere. Autonome extrinsische Motivation kann ebenfalls wertvoll sein, da sie hilft, größere berufliche Ziele zu integrieren und nachhaltig zu verfolgen. Ein Karriere-Coach, der oder die sich an den Prinzipien von Deci und Ryan orientiert, wird daher nicht nur die berufliche Leistung, sondern auch das persönliche Wohlbefinden der Klienten fördern.


Ihr Toolkit für erfolgreiche Karriere-Coaching-Sessions

Nutze die Prinzipien der Selbstbestimmungstheorie, um Klienten dabei zu helfen:

  • Motivationsquellen zu verstehen
  • Karriereziele mit ihren Werten zu verbinden
  • Ein unterstützendes Umfeld zu schaffen

Mit diesen Strategien wirst als Coach nicht nur den beruflichen Erfolg Deiner Klienten fördern, sondern auch deren langfristige Zufriedenheit – der perfekte Mix für eine erfüllende und nachhaltige Karriere.

Übung: Beruf, Berufung und Karriere in Einklang bringen

Für viele Menschen sind die Begriffe Beruf, Berufung und Karriere unterschiedlich gewichtet. Während einige Ihre Berufung zum Beruf gemacht haben, erleben andere den Beruf als Mittel zum Lebensunterhalt und suchen Erfüllung in Ihrer Freizeit. Um Klarheit über die eigenen Prioritäten zu gewinnen, hilft die folgende NLP-Übung, eine bewusste Reflexion und Ausrichtung vorzunehmen.

Die 3-Pfade-Visualisierung: Klarheit über Beruf, Berufung und Karriere
Diese Übung hilft Dir, die Bedeutung von Beruf, Berufung und Karriere in Deinem Leben zu reflektieren und herauszufinden, was Dir wirklich wichtig ist. Du kannst sie jederzeit anwenden, wenn Du Orientierung suchst oder Veränderungen in Deinem beruflichen Leben anstrebst.

Schritt 1: Vorbereitung
Finde einen ruhigen Ort, an dem Du ungestört bist. Setze Dich bequem hin, schließe die Augen und nimm ein paar tiefe Atemzüge. Lasse Deinen Alltag für einen Moment hinter Dir, um Dich vollständig auf die Übung einzulassen.

Schritt 2: Die Weggabelung
Stelle Dir vor, Du stehst an einer Weggabelung. Vor Dir liegen drei Wege:

  • Weg 1: Beruf
    Dieser Weg symbolisiert Stabilität, Routine und finanzielle Sicherheit. Hier geht es um die Grundbedürfnisse, die Dein Beruf erfüllt.
  • Weg 2: Berufung
    Dieser Weg steht für Leidenschaft, Sinnhaftigkeit und die Verbindung zu Deinen persönlichen Werten und Talenten. Er führt Dich zu Aufgaben, die Dir ein tiefes Gefühl der Erfüllung geben.
  • Weg 3: Karriere
    Dieser Weg repräsentiert Fortschritt, Wachstum und das Streben nach Erfolg, Verantwortung oder Anerkennung.

Schritt 3: Visualisiere die Wege
Jetzt gehe in Gedanken jeden dieser Wege einzeln entlang:

  • Was siehst Du auf diesem Weg?
    Ist er gerade oder kurvig? Hell oder dunkel? Gibt es besondere Symbole oder Eindrücke?
  • Wie fühlt sich der Weg an?
    Fühlst Du Leichtigkeit, Freude oder vielleicht Unsicherheit? Welche Emotionen kommen auf?
  • Was begegnet Dir auf dem Weg?
    Triffst Du Menschen, Herausforderungen oder etwas, das Dich inspiriert?

Schritt 4: Reflexion der Eindrücke
Öffne die Augen und schreibe Deine Eindrücke zu jedem Weg auf:

  • Welche Bilder, Farben oder Symbole hast Du wahrgenommen?
  • Welcher Weg hat sich am stimmigsten oder attraktivsten angefühlt?
  • Gibt es einen Weg, der Widerstände in Dir ausgelöst hat?

Schritt 5: Dein Anker-Symbol
Finde ein Symbol, das Deinen bevorzugten Weg oder eine Kombination der Wege repräsentiert. Es könnte ein Gegenstand, ein Bild oder ein Gefühl sein, das für Dich Beruf, Berufung und Karriere vereint. Stelle Dir vor, wie dieses Symbol Dich im Alltag begleitet und Dir Orientierung gibt.

Schritt 6: Die Zukunfts-Timeline
Schließe die Augen und stelle Dir vor, wie Dein Leben in einem Jahr aussieht, wenn Du Deinem bevorzugten Weg gefolgt bist:

  • Was hat sich verändert?
  • Wie fühlst Du Dich?
  • Welche Schritte hast Du unternommen, um Beruf, Berufung oder Karriere besser in Einklang zu bringen?

Schritt 7: Umsetzung
Schreibe drei konkrete Aktionen auf, die Du ab heute umsetzen kannst, um Dich Deinem bevorzugten Weg anzunähern. Das könnten kleine Schritte sein, wie eine Weiterbildung zu beginnen, Dir bewusst Zeit für ein Hobby zu nehmen oder Deine Netzwerke zu erweitern.

Abschluss
Diese Übung ermöglicht Dir, die Begriffe Beruf, Berufung und Karriere auf einer tiefen Ebene zu reflektieren und gezielt Handlungen abzuleiten. Nutze sie, um Klarheit über Deine Prioritäten zu gewinnen und Dein berufliches Leben bewusster zu gestalten.

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