Die Stress-Theorie von Lazarus und Folkman (1984)
Die Stress-Theorie von Lazarus und Folkman (1984), auch als Transaktionales Stressmodell bekannt, beschreibt Stress als ein dynamisches Wechselspiel zwischen Individuum und Umwelt. Dabei wird Stress nicht als automatischer Reiz-Reaktions-Mechanismus verstanden, sondern als Ergebnis kognitiver Bewertungen (Appraisals) und individueller Bewältigungsstrategien (Coping).
Kernpunkte der Theorie:
- Stress als Transaktion
- Stress entsteht, wenn Du eine Diskrepanz zwischen den Anforderungen einer Situation und Deinen eigenen Ressourcen zur Bewältigung wahrnimmst.
- Dieser Prozess ist dynamisch, da Du und Deine Umwelt kontinuierlich miteinander interagieren und sich wechselseitig beeinflussen.
- Kognitive Bewertung (Appraisal)
Lazarus und Folkman heben die Rolle der kognitiven Bewertung in der Stressentstehung hervor:
- Primäre Bewertung (Primary Appraisal):
- Einschätzung, ob ein Ereignis für Dich irrelevant, positiv oder potenziell stressauslösend ist.
- Mögliche Bewertungen:
- Herausforderung (Challenge): Das Ereignis wird als Gelegenheit zur persönlichen Weiterentwicklung gesehen.
- Bedrohung (Threat): Das Ereignis wird als potenziell schädlich eingeschätzt.
- Verlust/Schaden (Harm/Loss): Das Ereignis hat bereits negative Konsequenzen verursacht.
- Sekundäre Bewertung (Secondary Appraisal):
- Einschätzung Deiner eigenen Ressourcen und Fähigkeiten, um mit der Situation umzugehen.
- Beurteilung, ob und welche Bewältigungsstrategien verfügbar sind.

- Bewältigungsstrategien (Coping)
- Bewältigungsstrategien sind alle kognitiven und verhaltensbezogenen Anstrengungen, die unternommen werden, um mit stressauslösenden Situationen umzugehen.
- Zwei Hauptkategorien von Coping:
- Problemorientiertes Coping:
- Ziel: Die Ursache des Stressors direkt angehen oder die Situation ändern (z. B. Planung, Informationssuche, Problemlösung).
- Emotionsorientiertes Coping:
- Ziel: Emotionale Reaktionen auf den Stressor regulieren (z. B. Ablenkung, Akzeptanz, Neubewertung).
- Problemorientiertes Coping:
- Effektives Coping hängt davon ab, ob die Strategie zur jeweiligen Situation passt.
- Einflussfaktoren
- Persönliche Ressourcen (z. B. Selbstwirksamkeit, soziale Unterstützung) und Umweltfaktoren (z. B. Arbeitsplatzgestaltung) beeinflussen sowohl Deine Bewertung des Stressors als auch Deine Wahl der Bewältigungsstrategie.
Ergebnisse und Bedeutung
- Stress ist ein subjektives Phänomen, das stark von Deinen individuellen Bewertungen abhängt. Dieselbe Situation kann von verschiedenen Personen unterschiedlich als belastend oder herausfordernd wahrgenommen werden.
- Effektive Bewältigung (Coping) kann Stress reduzieren und langfristig Deine psychische Gesundheit fördern.
- Die Theorie hebt hervor, wie wichtig die Unterstützung durch soziale Netzwerke und das Training von Problemlösefähigkeiten für die Stressbewältigung ist.
Zusammenfassung:
Die Stress-Theorie von Lazarus und Folkman erklärt Stress als Ergebnis eines dynamischen Bewertungs- und Bewältigungsprozesses. Entscheidend ist, wie Du die Situation und Deine eigenen Ressourcen einschätzt. Eine effektive Kombination aus problem- und emotionsorientierten Coping-Strategien sowie die Unterstützung psychologischer und sozialer Ressourcen kann helfen, Stress langfristig zu reduzieren und Deine Anpassung an belastende Lebensereignisse zu fördern.