Lektion 5: Auftragsklärung und Fallen

Viele Schwierigkeiten, die sich in einem Coaching-Prozess ergeben können, hängen direkt mit Fehlern in der Auftragsklärung zusammen.  Meist waren im Vorfeld die Aufträge nicht ausreichend geklärt, weil der Klient sein Anliegen nicht deutlich beschrieben UND der Coach nicht sauber nachgefragt hatte. Auftragsklärung ist daher das A und O im Coachingprozess. Hier werden die Weichen für die weitere Zusammenarbeit gestellt und die wesentlichen Eckdaten geklärt.

Auftragsklärung

In der Regel erfolgt die Kontaktaufnahme durch den Klienten per Mail /Kontaktformular, telefonisch oder persönlich und es wird ein erster Termin vereinbart. Manche Coaches bieten ein kostenloses (telefonisches) Kennenlerngespräch an. Zwingend notwendig ist das jedoch nicht. In der Regel reicht es, die Fragen des Klienten (kurz) zu beantworten, den Termin, die Dauer und den Ort des ersten Treffens für die ausführliche Auftragsklärung festzulegen. Eine gründliche Klärung kann auch mehrere (bezahlte) Treffen benötigen.

Inhalte der Auftragsklärung

  • Kennenlernen und Beziehungsaufbau: kurzer Small-Talk, Kalibrieren auf den Klienten
  • Situation / Thema beschreiben lassen: Was ist der Anlass für den Coachingwunsch? Was ist das Anliegen des Klienten?
  • Zielbestimmung: Was ist das Ziel des Klienten? Ziel des Coachings?
  • Klären der Erwartungen (von beiden Seiten): Was kann Coaching leisten, was nicht?
  • Klären und Definition der Rollen: Wer ist für was verantwortlich? (Klient für Inhalt, Coach für den Prozess, Verschwiegenheit ist selbstverständlich)
  • Voraussetzung für Coaching: Ist Coaching überhaupt die geeignete Intervention für das Anliegen? Oder ist eher ein Training oder Consulting sinnvoll? (vgl. Lektion 4)
  • In welchem Setting sollen Treffen stattfinden? Wie viele Termine sollen zunächst vereinbart werden? Welche Investition?
  • Ergänzende Fragen im Businesskontext: Wer möchte das Coaching? An wen soll die Rechnung gestellt werden?

Mögliche Fallen in der Auftragsklärung:

Vor allem im Businesskontext gibt es manchmal verdeckte Coaching-Aufträge oder Fallen. Offiziell werden konkrete und explizite Ziele und Anliegen formuliert, dahinter verbergen sich manchmal jedoch unausgesprochene Erwartungen an den Coach und das Ergebnis des Coachings:

  • Coaching wird verordnet, um den Mitarbeiter zur „Vernunft zu bringen“.
  • Coach soll Führungsaufgaben des Vorgesetzten übernehmen („damit XY mal den Hintern hoch bekommt“)
  • Coaching ist eine verdeckte Vorbereitung für ein Outplacement („machen Sie die mal fit für den Arbeitsmarkt!“)
  • Vorgesetzter will in „Feedback-Gesprächen“ Informationen über das Coaching und dessen Inhalte.
  • Wenn Coaching „gut läuft“, werden Folgeaufträge und Trainings-Aufträge in Aussicht gestellt.
  • Personalabteilung möchte „Probecoaching“, bevor sie den Auftrag vergibt: „Ich kann mich nicht zum Sport motivieren – wie würden Sie mich denn coachen, damit das klappt?“

Tipp: Bleibe in dem Fall in einem ressourcevollen Zustand und dem Gesprächspartner gegenüber wertschätzend. Versuche, die positive Absicht dahinter zu sehen und kläre, welches Anliegen sich wirklich dahinter verbirgt. Lege transparent dar, was Coaching leisten kann und was nicht, und dass eine Coaching-Beziehung Freiwilligkeit des Klienten voraussetzt und die Inhalte vertraulich sind. Je klarer Du Dir über Deine Rolle und Dein Selbstverständnis als Coach bist, desto leichter kannst Du in diesen Fällen Deinen Standpunkt deutlich machen.

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