Eigenschaften
Plötzlich bleibt Lina vor einem kleinen Platz stehen, wo gerade eine fröhliche Geburtstagsfeier für ein Kind stattfindet. Bunte Luftballons schaukeln sanft in der Brise, ein langer Tisch ist liebevoll mit Kuchen, Saft und Geschenken gedeckt, und das Lachen der Dorfbewohner erfüllt die Luft. Alle scheinen genau zu wissen, was gebraucht wird: Die eine reicht eine zusätzliche Decke, der andere zaubert ein frisches Glas Limonade herbei. Das Geburtstagskind strahlt im Mittelpunkt – und es wirkt, als ob die ganze Welt nur für diesen Moment geschaffen wurde.
Lina lächelt warm und sagt: „Das ist so typisch für uns! Wir leben dafür, andere glücklich zu machen. Wenn ich sehe, wie jemand lächelt, weil ich ihm geholfen habe, dann erfüllt mich das mit Freude. Und wir wissen einfach, was andere brauchen – manchmal sogar, bevor sie es selbst merken.“
Während Lina weiter mit Dir durch das Dorf geht, bleibt sie immer mal wieder stehen, um die Blumen am Rand mit ihrer Gießkanne zu wässern. An einer Stelle nahe des Flusses deutet sie auf eine Szene: Ein Dorfbewohner hilft seinem Nachbarn, einen schweren Korb zu tragen, und lächelt dabei freundlich. Lina deutet auf die beiden und flüstert: „Schau, so sind wir hier. Wir helfen gerne, und meistens meinen wir es auch ganz ehrlich. Aber… manchmal steckt da noch etwas anderes dahinter.“
Sie wendet sich Dir zu und erklärt sanft: „Meistens helfen wir nicht nur, weil wir wollen, dass es anderen gutgeht, sondern auch, weil wir hoffen, dass sie uns dafür mögen oder anerkennen. Und wenn das nicht passiert – wenn niemand ‚Danke‘ sagt oder es so aussieht, als wäre unsere Hilfe selbstverständlich – kann uns das tief treffen.“
Ihre Stimme wird etwas leiser, fast vertraulich: „Das nennen manche vielleicht Manipulation, aber für uns fühlt es sich oft gar nicht so an. Es passiert unbewusst, aus dem Wunsch heraus, von anderen gebraucht zu werden und für sie wichtig zu sein. Zum Beispiel könnte der Dorfbewohner da…“ – sie zeigt auf den Helfer mit dem Korb – „…hoffen, dass der andere ihm später einen Gefallen zurückgibt. Oder vielleicht hilft er, weil er sich dann wertvoll fühlt. Der Gedanke, dass sein Nachbar ohne ihn nicht klarkommen würde, könnte ihn mit Stolz erfüllen. Weißt Du, das ist nichts Böses – es ist eher ein stilles Verlangen, gesehen zu werden, auch wenn wir das nie laut sagen würden.“
Lina atmet tief ein und schenkt Dir ein weiches Lächeln. „Manchmal geben wir so viel, dass wir uns selbst dabei vergessen. Und wenn dann keiner bemerkt, wie sehr wir uns angestrengt haben, oder wir vielleicht sogar abgewiesen werden, dann kann das wehtun. Und dann? Dann versuchen wir oft, auf eine indirekte Weise dafür zu sorgen, dass wir am Ende doch gebraucht werden. Wir sorgen dafür, für die andere Person unentbehrlich zu werden. Manchmal, ohne es selbst zu merken, ohne böse Hintergedanken - einfach, weil wir gebraucht werden wollen.“