Die Rolle des Coaches im Leadership Coaching-Prozess
Leadership Coaching ist ein zielgerichteter Entwicklungsprozess, in dem die Führungskraft im Mittelpunkt steht. Der Coach agiert dabei nicht als Berater mit fertigen Lösungen, sondern als neutraler Begleiter und Unterstützer. Seine Aufgabe ist es, Reflexion zu fördern, Impulse zu setzen und Entwicklungsmöglichkeiten sichtbar zu machen – ohne zu werten oder zu lenken.
Lernziele:
- Die eigene Rolle im Leadership Coaching-Prozess klar definieren können.
- Die Bedeutung der Beziehung zwischen der Führungskraft und ihrer Vorgesetzten reflektieren.
- Die vier Dimensionen des Handlungskompetenzmodells von Hülshoff anwenden können.
- Relevante Faktoren bei der Analyse von Persönlichkeits- und Potenzialprofilen identifizieren können.
- Ansätze zur kontinuierlichen Anpassung des Coaching-Plans entwickeln.
Die Bedeutung der Beziehung zur vorgesetzten Instanz
Eine oft unterschätzte Dimension ist die Beziehung zwischen der Führungskraft und ihrer eigenen Führungskraft. Diese Verbindung ist zentral, um:
- konstruktives Feedback zu ermöglichen,
- Erwartungen zu klären
- und Fortschritte im Verhalten sichtbar zu machen und zu stützen.
Ein Leadership Coaching ist dann besonders wirkungsvoll, wenn diese Beziehung transparent in den Prozess einbezogen wird – z. B. durch Zielgespräche oder regelmäßige Feedback-Schleifen.
Das Handlungskompetenzmodell von Prof. Dr. Theo Hülshoff
Ein bewährtes Werkzeug zur Bewertung und Entwicklung von Führungskräften ist das Handlungskompetenzmodell nach Hülshoff. Es besteht aus vier zentralen Kompetenzdimensionen:
- Fachkompetenz:
Wissen, Qualifikation, fachliche Expertise in der Rolle. - Methodenkompetenz:
Fähigkeit, Werkzeuge, Strategien und Prozesse effektiv zu planen und umzusetzen (z. B. Projektmanagement, Problemlösung, Zeitmanagement). - Persönliche Kompetenz (auch Selbstkompetenz):
Selbststeuerung, Eigenverantwortung, Resilienz, Selbstreflexion. - Emotionale Kompetenz:
Fähigkeit zur Empathie, zum Umgang mit Emotionen – sowohl bei sich selbst als auch bei anderen.

Diese vier Dimensionen bilden die Grundlage für eine ganzheitliche Einschätzung der Handlungskompetenz, also der Fähigkeit, situationsgerecht und wirksam zu handeln. Eine bewusste Integration des Hülshoff-Modells in die Prozessgestaltung beim Coaching ist wichtig.
Dies geschieht z. B. durch:
- Diagnostik zu Beginn des Coachings,
- Zielableitung entlang der Kompetenzdimensionen,
- und begleitende Reflexion entlang dieser Kategorien.
Warum ist das wichtig?
Weil es eine strukturierte, objektive und praxisnahe Grundlage schafft, um die Coaching-Ziele passgenau zu formulieren und die Effektivität der Maßnahmen zu überprüfen.
Analyse von Persönlichkeits- und Potenzialprofilen
Ein zentraler Faktor in der Profilanalyse von Führungskräften ist die emotionale Intelligenz. Sie beeinflusst maßgeblich die Führungswirkung – etwa im Umgang mit Mitarbeitenden, Konflikten und Veränderung.
Potenzialprofile wiederum helfen dabei, die Fähigkeit einer Führungskraft zur Bewältigung spezifischer Führungsaufgaben einzuschätzen – zum Beispiel: Veränderungsmanagement, Teamführung, strategisches Denken und die Kommunikation in komplexen Kontexten.
Die Rolle des Coaches bei der Integration
In diesem Kontext nimmt der Coach die Rolle des Implementierers ein. Er führt nicht nur durch den Coaching-Prozess, sondern sorgt auch dafür, dass Instrumente wie das Kompetenzmodell in sinnstiftender Weise in den Alltag der Führungskraft integriert werden. Der Coach coacht nicht das Unternehmen, sondern die Führungskraft in ihrer Rolle in einem geschützten Raum.

Ein Coaching ist niemals statisch. Es lebt von der kontinuierlichen Beobachtung der Fortschritte und der flexiblen Anpassung an neue Situationen oder Lernbedarfe. Der Coach sollte daher regelmäßig reflektieren:
- Wie entwickelt sich die Führungskraft?
- Stimmen Ziele und Realität noch überein?
- Müssen neue Themen ins Coaching aufgenommen werden?
Praxisaufgabe
Fallstudie „Neue Führungskraft – alter Stil?“
Du begleitest im Rahmen eines Leadership Coachings eine neu ernannte Führungskraft, Frau S., die aus dem Fachbereich befördert wurde und erstmals ein Team von zwölf Mitarbeitenden leitet.
In den ersten Sitzungen schildert Frau S.:
- Sie sei unsicher, wie sie ihre neue Rolle ausfüllen solle.
- Sie bekomme wenig Rückmeldung von ihrer vorgesetzten Bereichsleitung.
- Die Teammitglieder seien „nicht so eigenverantwortlich“ wie erwartet.
- Es falle ihr schwer, emotionale Themen im Teamgespräch zuzulassen.
Deine Aufgabe als Coach:
- Rollenklärung:
Beschreibe Deine Rolle als Coach in diesem Prozess. Wo unterstützt Du – wo hältst Du Dich zurück? - Zieldefinition:
Was könnten aus Deiner Sicht sinnvolle Coaching-Ziele für Frau S. sein? Orientiere Dich dabei an den vier Dimensionen des Handlungskompetenzmodells von Hülshoff. - Beziehung zur vorgesetzten Instanz:
Wie könntest Du die Beziehung zwischen Frau S. und ihrer Vorgesetzten konstruktiv in den Coaching-Prozess einbeziehen? - Kompetenzanalyse:
Welche Stärken und Entwicklungsfelder lassen sich aus der Fallbeschreibung bereits vermuten? Wo würdest Du gezielt nachfragen? - Coaching-Planung:
Entwirf grob einen Coaching-Fahrplan (4–6 Sitzungen), bei dem das Hülshoff-Modell integriert und beobachtbar wird. Notiere zu jeder Sitzung ein mögliches Thema oder Format (z. B. Persönlichkeitsprofil, Rollensimulation, Feedback-Loop etc.).
Hinweis zur Bearbeitung:
Diese Aufgabe lässt sich gut als Einzelarbeit mit anschließender Peer-Reflexion oder in Kleingruppen bearbeiten. Ziel ist es, das theoretische Wissen in ein realistisches, praxisnahes Szenario zu übertragen und gleichzeitig ein Gespür für die Prozessverantwortung als Coach zu entwickeln.
- Quiz Lektion 1 (10 Fragen)