Lektion 4 – Techniken des hypnosystemischen Coachings
Einleitung zu Lektion 4 – Techniken des hypnosystemischen Coachings
Willkommen zu Lektion 4, in der wir einen genaueren Blick auf die konkreten Methoden werfen, die das hypnosystemische Coaching so facettenreich machen! Nachdem Du zuvor die theoretischen Grundlagen und erste praktische Elemente kennengelernt hast, geht es nun um die vielfältigen Werkzeuge, die Du im Coachingalltag einsetzen kannst.
In dieser Lektion zeigen wir Dir, wie Du mit kreativem Storytelling, Metaphern, Körperarbeit oder spezifischen Musterunterbrechungen Klient*innen auf unaufdringliche, aber tiefgreifende Weise unterstützt. Dabei lernst Du, dass es nicht die eine Technik gibt, die immer passt, sondern dass Du aus einem methodischen „Baukasten“ schöpfen kannst. Jede Intervention – ob Choreographie, Rührei-Technik oder Seitenmodell – steht unter dem gemeinsamen hypnosystemischen Prinzip, Ressourcen zu aktivieren und dem Unbewussten Raum zu geben.
Freu Dich darauf, ganz konkret zu entdecken, wie Du sowohl sprachlich (z. B. durch Metaphern oder Seeding) als auch körperlich (Embodiment, Bewegung) neue Perspektiven eröffnest. Denn hypnosystemisches Coaching lebt davon, dass wir keine starren Abläufe befolgen, sondern flexibel und empathisch das wählen, was zu Klient*in und Situation passt. Auf diese Weise wird jeder Einsatz einer Technik nicht nur wirksam, sondern auch authentisch in Dein eigenes Coachingprofil eingebettet.
Viel Spaß und Inspiration beim Entdecken der Techniken des hypnosystemischen Coachings!
Themen dieser Lektion
Thema 4.1 - Metaphern im Hypnosystemischen Coaching
Grundlagen der Metaphernarbeit im Coaching
1. Was sind Metaphern überhaupt?
Metaphern sind sprachliche Bilder, die einen abstrakten oder inneren Zustand durch ein konkretes Bild veranschaulichen. Sie sind mehr als nur sprachliche Dekoration – sie prägen unser Denken, Fühlen und Handeln.
Beispiel:
„Ich habe ein Brett vor dem Kopf.“
→ vermittelt das Gefühl, blockiert zu sein, ohne es wörtlich auszusprechen.
Nutzen im Coaching:
- Metaphern machen komplexe innere Prozesse greifbar.
- Sie eröffnen neue Perspektiven auf festgefahrene Probleme.
- Sie aktivieren unbewusste Ressourcen und ermöglichen kreative Lösungsprozesse.
2. Warum funktionieren Metaphern im Coaching so gut?
Metaphern wirken auf mehreren Ebenen:
- Kognitiv: Sie strukturieren Gedanken.
- Emotional: Sie erzeugen Resonanz.
- Körperlich: Sie lösen Reaktionen im Körper aus (Embodiment).
- Unbewusst: Sie umgehen innere Widerstände und erzeugen neue Bedeutungsräume.
🔍 Neuropsychologisch betrachtet aktivieren Metaphern das Bild- und Emotionssystem im Gehirn – das gleiche System, das für Lernen, Erinnerung und Entscheidungsfindung zuständig ist.
3. Unterschied zwischen Klienten- und Therapeutenmetaphern
| Klientenmetapher | Therapeutenmetapher |
| Vom Klienten selbst eingebracht („Ich stehe mir im Weg“) | Vom Coach eingebracht („Wie wäre es, wenn dieser Teil nur ein Verkehrspolizist ist?“) |
| Hochindividuell, emotional verankert | Mögliches Reframing oder Weitererzählen |
| Hohe Wirkung bei Utilisation | Bedarf Fingerspitzengefühl und Timing |
Regel: Die Metapher des Klienten hat immer Vorrang.
4. Metaphern als diagnostisches und interventives Werkzeug
Metaphern offenbaren oft:
- Innere Konflikte („Ein Teil von mir will …, der andere nicht …“)
- Ressourcen und Lösungsansätze („Ich habe eine schillernde Ausstrahlung“)
- Verdeckte Glaubenssätze („Ich trage eine schwere Last“)
Und sie erlauben gleichzeitig:
- Reframing (Neudeutung)
- Distanzierung (Vom Problem zum Bild)
- Transformation (Änderung des Bildes = Änderung des Erlebens)
Methoden der Metaphernarbeit im Coaching
Die Arbeit mit Metaphern im Coaching ist nicht zufällig, sondern folgt bestimmten hypnosystemischen Prinzipien und Vorgehensweisen. Hier sind die wichtigsten methodischen Schritte – jeweils mit Beispielen:
1. Pacing: Die Metapher aufgreifen
Ziel: Die Metapher des Klienten wird wörtlich genommen oder leicht paraphrasiert, um Resonanz und Verbindung herzustellen.
Beispiel:
K: „Sie gleicht dem Vesuv, wenn sie wütend ist.“
C: „Das hört sich so an, als ob es dann das Beste ist, wenn man wegläuft.“
Wirkung:
- Zeigt, dass der Coach aufmerksam zuhört.
- Validiert das innere Bild des Klienten.
- Legt die Basis für eine vertiefende Arbeit.
2. Weitererzählen lassen
Ziel: Der Klient wird eingeladen, das Bild weiterzuentwickeln – was oft unbewusst neue Bedeutungen erzeugt.
Beispiel:
C: „Und was passiert, nachdem der Vesuv ausgebrochen ist?“
C: „Und wer bist Du in diesem Bild?“
Wirkung:
- Das Bild wird dynamisch statt statisch.
- Neue Rollen, Positionen und Perspektiven tauchen auf.
- Oft entstehen dadurch Lösungsideen aus dem Klienten selbst.
3. Metapher garnieren (Coach erzählt weiter)
Ziel: Der Coach nutzt das Bild und ergänzt es kreativ – mit Lösungselementen, Leichtigkeit oder einem Reframing.
Beispiel:
C: „Und Sie sind einer der Dorfbewohner, der wegläuft … aber vielleicht liegt es daran, dass Männer den Vulkaneingang mit einer riesigen Vulva verwechseln.“
(→ Humor, Enttabuisierung, Neu-Verknüpfung)
Wirkung:
- Überraschung, neue Bedeutungsräume.
- Humor und Leichtigkeit als Katalysator.
- Unterbrechung starrer Problem-Muster.
4. Als Anker später nutzen
Ziel: Die Metapher wird in einem späteren Schritt erneut aufgegriffen – nun aber in einem lösungsorientierten Kontext.
Beispiel:
„Was bewirkt die Asche des Vesuvs jetzt in diesem Moment?“
(→ Fruchtbarkeit, Transformation, Neubeginn)
Wirkung:
- Verankerung von Ressourcen.
- Rückbindung an bereits bearbeitete Themen.
- Nachhaltige Integration in den Alltag des Klienten.
Fazit dieses Abschnitts:
Die Kunst liegt nicht nur im Verstehen von Metaphern, sondern im feinen Spiel mit ihnen: zuhören, einladen, erweitern, transformieren. So wird aus einem sprachlichen Bild ein mächtiges Werkzeug der Veränderung.
Super, dann machen wir weiter mit dem nächsten Abschnitt:
Typische Metaphern aus dem Coachingalltag
Metaphern entstehen häufig ganz natürlich im Sprachgebrauch von Klient:innen – oft ohne dass sie es bewusst bemerken. Genau hier setzt die hypnosystemische Arbeit an: Diese spontanen Sprachbilder werden nicht nur wahrgenommen, sondern gezielt genutzt, weiterentwickelt und verwandelt.
Im Folgenden findest du typische Kategorien von Metaphern, wie sie im Coaching häufig vorkommen, jeweils mit einem kurzen Beispiel und möglichen Coaching-Impulsen:
1. Weg- und Reise-Metaphern
„Ich weiß nicht, wie ich weitergehen soll.“
„Das fühlt sich an wie eine Sackgasse.“
Mögliche Interventionen:
- „Wo genau auf dem Weg stehst du gerade?“
- „Gibt es eine Kreuzung oder eine Abzweigung, die du übersehen hast?“
- „Was brauchst du, um wieder in Bewegung zu kommen?“
2. Maschinen- und Funktionsmetaphern
„Ich bin total ausgebrannt.“
„Ich funktioniere nur noch.“
Mögliche Interventionen:
- „Was müsste passieren, damit du wieder auftanken kannst?“
- „Wo in deinem System ist gerade zu viel Druck drauf?“
- „Gibt es einen Schalter, den du gerne umlegen würdest?“
3. Natur- und Wettermetaphern
„Es stürmt gerade in meinem Leben.“
„Ich wünsche mir mehr Boden unter den Füßen.“
Mögliche Interventionen:
- „Was gibt dir normalerweise Halt bei Sturm?“
- „Was würde dir helfen, dich zu erden?“
- „Wie sieht das Wetter in deinem Inneren gerade aus – und was wünscht du dir stattdessen?“
4. Raum- und Architekturmetaphern
„Ich fühle mich eingemauert.“
„Da ist kein Raum mehr für mich.“
Mögliche Interventionen:
- „Wenn du diesen Raum betreten könntest – wie würde er aussehen?“
- „Gibt es Fenster, Türen, Lichtquellen in diesem Bild?“
- „Was könnte dich dabei unterstützen, den Raum zu öffnen?“
5. Rollen- und Theatermetaphern
„Ich spiele nur noch eine Rolle.“
„Das ist wie ein endloses Theaterstück.“
Mögliche Interventionen:
- „Welche Rolle spielst du gerade – und wer hat sie dir gegeben?“
- „Was würde passieren, wenn du kurz aus der Szene trittst?“
- „Welche Figur fehlt noch auf deiner Bühne?“
💡 Hinweis für deinen Coachingalltag:
Höre in den ersten Minuten eines Gesprächs besonders aufmerksam hin – die meisten Metaphern entstehen ganz automatisch in der Problemschilderung. Nutze sie als Eingangstor ins emotionale Erleben des Klienten.
ges
Mini-Reflexion: Welche Metaphern verwendest du selbst, wenn du über Herausforderungen sprichst? Notiere spontan 2–3 Beispiele und überlege, wie du sie weiterentwickeln könntest.
Anschließende Übung: Greife diese Metaphern auf (Du kannst auch eine Metapher aus einem vergangen Coaching nehmen) und utilisiere diese. Halte schriftlich fest, wie du die Techniken des pacing, garnieren oder weitererzählen anwenden würdest.
Anleitung mit Beispiel (Partnerübung oder mit fiktiver Figur)
Wähle eine deiner Metaphern aus und bearbeite sie schriftlich anhand der folgenden Schritte:
- Pacing – Spiegeln und würdigen
Schreibe einen Satz, der das Bild empathisch aufgreift, z. B.:
„Das klingt wirklich, als ob du zwischen den Stühlen sitzt – ohne klaren Platz, ohne Halt.“ - Garnieren – Das Bild ausschmücken
Bleibe im gewählten Bild und erweitere es kreativ, z. B.:
„Vielleicht ist der Raum zwischen den Stühlen dunkel, aber vielleicht gibt es dort auch einen leichten Windzug – wie ein Hinweis, wohin du dich orientieren könntest…“ - Weitererzählen – In Richtung Lösung bewegen
Baue das Bild so weiter, dass erste Lösungsimpulse spürbar werden, z. B.:
„Vielleicht taucht jetzt ein dritter Stuhl auf – einer, der nicht für andere gedacht ist, sondern nur für dich.“ - Einladung – Klientische Selbstaktivierung simulieren
Formuliere eine offene Frage, mit der du dich oder (im Coachingfall) deinen Klienten zum Weiterdenken einlädst, z. B.:
„Was würde sich verändern, wenn du dich auf diesen eigenen Stuhl setzen würdest?“
Thema 4.2 - Storytelling als Intervention
Warum Geschichten wirken
Geschichten sind seit jeher ein mächtiges Werkzeug in der Kommunikation, und ihre Wirksamkeit kann besonders im Coaching und in therapeutischen Kontexten nicht unterschätzt werden. Geschichten besitzen eine hypnotische Qualität, die es ermöglicht, Themen indirekt anzusprechen und komplexe Inhalte zugänglich zu machen, ohne dass der Klient sich sofort in eine Abwehrhaltung begibt. Diese indirekte Kommunikation schafft einen sicheren Raum, in dem Veränderungen leichter akzeptiert werden können.
Besonders in hypnosystemischen Coaching-Prozessen wird die Kraft von Geschichten gezielt eingesetzt. Sie können tief in das Unbewusste eindringen und dort Veränderungen anstoßen. Der Einsatz von Geschichten im Coaching hilft, den Klienten mit seinem eigenen inneren Erleben in Kontakt zu bringen, während gleichzeitig die Vernunft und der rationale Verstand eine Pause einlegen – der Klient wird eingeladen, eine neue Perspektive zu entwickeln. Das Unbewusste reagiert oft stärker auf Bilder und Metaphern als auf direkte, rationale Argumente.
Gunther Schmidt, beschreibt dieses Phänomen als „hypnosystemisches Seeding“. Dabei geht es darum, durch gezielte „Säen“ von Ideen und Bildern im Inneren des Klienten eine Entwicklung anzustoßen. Diese Bilder wachsen im Inneren des Klienten weiter und eröffnen ihm neue, oft unerforschte Perspektiven.
Durch Seeding hilfst du dem Klienten, eigene Bedeutungen zu finden, Ressourcen zu aktivieren und einen inneren Suchprozess in Gang zu setzen – ganz im Sinne des hypnosystemischen Ansatzes.
Die Zutaten einer wirksamen Geschichte
Um die Kraft einer Geschichte im Coaching voll auszuschöpfen, sollten bestimmte Elemente berücksichtigt werden. Diese „Zutaten“ machen die Geschichte nicht nur spannend, sondern auch wirkungsvoll:
- Anknüpfung an die Lebenswelt des Klienten Die Geschichte sollte in der Lebenswelt des Klienten „andocken“. Das bedeutet, dass die erzählte Geschichte einen Bezug zu den Erfahrungen, Ängsten, oder Wünschen des Klienten aufweist. Dadurch kann sich der Klient in der Geschichte wiedererkennen und fühlt sich direkt angesprochen. Wird ein Klient beispielsweise mit beruflicher Unsicherheit konfrontiert, könnte eine Geschichte von jemandem erzählt werden, der sich in einer ähnlichen Situation wiederfand und trotzdem einen erfolgreichen Weg einschlug.
- Positive Ausnahmeerlebnisse Eine wirksame Geschichte zeigt auf, dass Veränderung möglich ist. Sie enthält Momente oder Ereignisse, in denen der Hauptcharakter eine schwierige Situation überwindet. Diese positiven Ausnahmen – also Momente, in denen trotz widriger Umstände eine Lösung oder ein positiver Ausgang erzielt wird – wecken im Klienten die Hoffnung, dass auch er in seiner Situation eine Veränderung herbeiführen kann.
- Offene Deutungsräume Eine weitere wichtige Zutat ist die Offenheit der Geschichte. Sie sollte dem Klienten den Raum geben, eigene Deutungen und Interpretationen zu entwickeln. Anstatt eine klare, festgelegte Botschaft zu vermitteln, öffnet die Geschichte einen Raum, in dem der Klient selbst die Bedeutung für sich entdecken kann. Dieser Raum fördert die Selbstreflexion und gibt dem Klienten das Gefühl von Autonomie und Kontrolle.
Beispiel: Anstatt zu sagen: „Veränderung ist immer positiv“, könnte die Geschichte ein Szenario zeigen, in dem ein unerwartetes Ereignis sowohl positive als auch negative Auswirkungen hat. Der Klient ist eingeladen, die eigene Bedeutung aus der Geschichte zu ziehen, was ihm hilft, eine individuellere Sicht auf seine eigene Situation zu entwickeln.
Fallbeispiel: Die Geschichte des Bauern
Um diese Prinzipien zu verdeutlichen, bietet sich die folgende Geschichte an, die oft in hypnosystemischen Coaching-Kontexten verwendet wird:
„Es gibt eine alte Geschichte eines Bauern, dessen einziger Sohn eines Tages das Bein bricht. Die Nachbarn sagen: ‚Was für ein Unglück!‘ Der Bauer sagt nur: ‚Vielleicht.‘ Später kommt die Armee, um junge Männer einzuziehen – der Sohn bleibt verschont. Die Nachbarn sagen: ‚Was für ein Glück!‘ Der Bauer sagt: ‚Vielleicht.‘ – Wer weiß schon, was wirklich gut oder schlecht ist?“
Diese Geschichte enthält alle oben genannten Elemente:
- Anknüpfung an die Lebenswelt des Klienten: Der Klient, der vor einer Veränderung oder Entscheidung steht, kann sich mit der Unsicherheit des Bauern identifizieren.
- Positive Ausnahmeerlebnisse: Die Geschichte zeigt, dass es nicht immer sofort ersichtlich ist, was als negativ oder positiv bewertet werden kann – eine unerwünschte Situation (der Beinbruch) führt letztlich zu einem positiven Ausgang (der Sohn wird nicht eingezogen).
- Offene Deutungsräume: Die Botschaft ist offen und lässt Raum für verschiedene Interpretationen. Der Klient kann darüber nachdenken, welche Aspekte der Geschichte für seine eigene Lebenssituation relevant sind.
Timing im Coachingprozess – Wann sind Geschichten besonders hilfreich?
Im Coaching ist nicht nur was gesagt wird wichtig – sondern auch wann. Geschichten entfalten ihre Wirkung besonders dann, wenn sie im richtigen Moment eingesetzt werden. Sie helfen, eine emotionale Tür zu öffnen, Perspektivwechsel zu ermöglichen oder Widerstände zu umschiffen.
Besonders geeignet sind Geschichten, wenn...
- ...der Klient im Problemdenken festhängt
→ Eine Geschichte kann neue Bilder eröffnen und den inneren Fokus verschieben. - ...du Impulse geben willst, ohne direktiv zu sein
→ Geschichten wirken indirekt und laden zur eigenen Deutung ein. - ...der Klient sich mit Veränderung schwertut
→ Eine gut platzierte Geschichte kann Mut machen, zeigen: Veränderung ist möglich. - ...emotionale Distanz notwendig ist
→ Durch die metaphorische Sprache können auch sensible Themen leichter angesprochen werden.
Sprachliche Gestaltung – Wie Geschichten wirken
Die Magie von Geschichten entsteht nicht nur durch ihren Inhalt, sondern vor allem durch die Art, wie sie erzählt werden. Besonders im hypnosystemischen Coaching nutzen wir Sprache so, dass sie innere Prozesse anregt, ohne festzulegen, wie etwas zu sein hat.
Wirkfaktoren sprachlicher Gestaltung:
- Bildhafte Sprache:
Geschichten sprechen das Unbewusste über Sinneskanäle an – besonders über Bilder, Klänge, Bewegungen oder Körpergefühle. Je konkreter du beschreibst, desto stärker wirkt die Geschichte emotional.
→ „Der Weg schlängelte sich durch ein stilles Tal, wo der Nebel leise über den Boden kroch…“ - Tempo und Rhythmus:
Eine ruhige, leicht rhythmische Sprache kann den Zuhörer in einen innerlich offenen Zustand bringen. Pausen wirken oft stärker als viele Worte. - Mehrdeutigkeit & offene Bedeutungsräume:
Gute Geschichten enthalten keine eindeutige Moral. Sie lassen Raum für eigene Deutungen – dadurch bleibt der Klient innerlich aktiv.
→ „Und vielleicht war es gar kein Zufall, dass der kleine Vogel genau an diesem Tag den Zweig gefunden hat…“ - Utilisation individueller Bilder:
Nutze die Metaphern, Sprachmuster oder Bilder, die vom Klienten selbst kommen. So fühlt sich die Geschichte unmittelbar verbunden mit dessen innerer Welt.
Praxis-Tipp:
Erzähle langsam, mit Pausen. Lasse Bilder wirken. Wenn du spürst, dass der Klient "einsteigt", brauchst du weniger Worte – das Bild beginnt, in ihm zu arbeiten.
Übung – Erstelle Deine eigene Coaching-Geschichte
Um die Theorie in die Praxis umzusetzen, fordert diese Lektion die Teilnehmer auf, ihre eigene Coaching-Geschichte zu entwickeln. Die Übung hilft dabei, die erlernten Prinzipien der Storytelling-Technik anzuwenden.
Anleitung:
- Überlege Dir eine echte oder erfundene Geschichte aus Deinem Leben, die zeigt, dass schwierige Situationen sich oft rückblickend als wertvoll herausstellen.
- Schreibe die Geschichte vollständig auf (mindestens eine DIN A4-Seite).
- Ergänze am Ende offene Fragen: Was könnte die Botschaft dieser Geschichte sein? Welche Bedeutung hätte sie für einen Klienten mit einem ähnlichen Anliegen?
Beispiel: Ein Klient, der Schwierigkeiten hat, mit einem Rückschlag umzugehen, könnte durch eine Geschichte inspiriert werden, in der eine vermeintliche Niederlage (wie das Scheitern eines Projektes) zu einer wertvollen Lektion oder einem späteren Erfolg geführt hat.
Bonus-Tipp: Ermutige die Teilnehmer, die Geschichte einem Freund oder einer Freundin zu erzählen und zu beobachten, welche Bilder oder Erinnerungen sie hervorruft. Dies hilft, die Wirkung der Geschichte zu testen und ihre eigene Kraft zu erleben
Thema 4.3 – Bedeutung von Bewegung im hypnosystemischen Coaching
Bewegung und Selbstregulation
Im hypnosystemischen Coaching spielt Bewegung eine zentrale Rolle, besonders im Hinblick auf die Selbstregulation des Klienten. Körperliche Bewegung im Raum wird als wichtiger Bestandteil des Prozesses betrachtet, da sie das innere System des Klienten aktivieren und die natürliche Selbstregulation fördern kann. Langes Sitzen, das häufig mit Gesprächen und Coaching-Sitzungen verbunden ist, wird hingegen kritisch betrachtet, da es die natürlichen Mikrobewegungen des Körpers unterbricht, die für die Selbstregulation und das emotionale Wohlbefinden wichtig sind.
Die Bedeutung von Bewegung
Bewegung im Coaching-Kontext ist nicht nur körperlich, sondern auch emotional und geistig wirksam. Sie kann helfen, blockierte Energie freizusetzen und neue Perspektiven zu eröffnen. Das Einbinden von Bewegung in den Coaching-Prozess fördert die körperliche und geistige Flexibilität des Klienten und unterstützt den Coaching-Prozess. Wenn Klienten in Bewegung sind, können sie oft leichter zu neuen Einsichten kommen und Perspektiven wechseln.
Langes Sitzen im Coaching kann dagegen den Kreislauf verlangsamen und die Kreativität und Problemlösungsfähigkeit einschränken. Bewegung bringt den Körper in Fluss und fördert die Fähigkeit zur Selbstregulation. Auch der Coach profitiert von Bewegung, da sie die eigene Präsenz stärkt und das Energieniveau erhöht.
Coaching mit Bewegung – Eine Einladung zu Veränderung
Coaches sind ermutigt, Bewegung aktiv in den Coaching-Prozess einzubinden. Dies kann bedeuten, dass während der Sitzung kleine Pausen gemacht werden, in denen der Klient sich bewegt oder der Coach den Raum wechselt. Durch diese einfachen Änderungen können neue Perspektiven entstehen und Blockaden gelöst werden. Bewegung hat eine direkte Auswirkung auf die neuronale Aktivität, die Kreativität und die Fähigkeit zur Problemlösung.
Noch ein Bild für dich:
„Wenn deine Gedanken wie ein See sind, dann ist Bewegung der Wind, der wieder kleine Wellen entstehen lässt – damit du dich innerlich neu ausrichten kannst.“
Übung: Beweg dich, wenn’s stockt
Manchmal merkst du vielleicht, dass du innerlich feststeckst: Du denkst im Kreis, fühlst dich blockiert, kannst dich nicht entscheiden oder bist einfach gestresst. Genau in solchen Momenten liegt eine wertvolle Chance: Du kannst deinen Körper als Ressource nutzen.
Denn Bewegung bringt nicht nur deinen Kreislauf in Schwung – sie bringt auch Gedanken, Gefühle und Lösungen in Bewegung.
So geht’s:
- Erkenne deinen persönlichen „Stopp-Moment“
Achte in den nächsten Tagen auf Situationen, in denen du das Gefühl hast, du kommst nicht weiter. Zum Beispiel:- Du grübelst immer wieder über dasselbe Thema nach
- Du fühlst dich innerlich eng, angespannt oder gereizt
- Du hängst in einer Entscheidung fest
- Du fühlst dich plötzlich schlapp oder kraftlos
Sobald du einen solchen Moment bemerkst, sag innerlich:
„Beweg dich, wenn’s stockt.“
- Komm in Bewegung – spontan, intuitiv, kurz
Jetzt geht es nicht um Sport oder Leistung. Es geht um kleine, lebendige Bewegungsimpulse, die deinen inneren Zustand verändern können.
Tu das, was dir gerade gut tut:- Geh eine Runde um den Tisch, durchs Zimmer oder um den Block
- Schüttle deine Hände oder deinen ganzen Körper aus
- Dehne dich, als würdest du dich aus einem engen Raum befreien
- Steig ein paar Stufen hoch
- Mach die Musik an und bewege dich frei – so, wie du Lust hast
Wichtig: Lass deinen Körper führen – nicht deinen Kopf.
- Spüre nach – was hat sich verändert?
Bleib nach der Bewegung einen Moment stehen oder sitzen.
Atme tief durch.
Spüre in dich hinein: Was ist jetzt anders? Vielleicht ist da mehr Weite, eine neue Idee, ein inneres Lächeln – oder einfach nur ein bisschen mehr Energie.
Dein Mini-Experiment:
In den nächsten 3 Tagen:
Notiere dir jeweils eine Situation,
- in der du dich „stockend“ gefühlt hast,
- wie du Bewegung genutzt hast
- und was sich dadurch verändert hat.
So trainierst du deine Selbstwahrnehmung und entwickelst dein eigenes Repertoire an Bewegungsimpulsen für den Alltag.
- Test zur 4. Lektion (7 Fragen)